Chronik

Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel

Vor der Gründung

Wie überall gab es natürlich auch in Bruchköbel, weit vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel vor jetzt 125 Jahren, Brände mit teilweise verheerenden Folgen. Da stellt sich schnell die Frage: „Wie sah es denn früher mit der Bekämpfung von Bränden und Feuerbrünsten aus?“ Alte Überlieferungen geben uns darauf eine eindeutige Antwort: „Nicht gerade glänzend und wirkungsvoll“. Davon ist auch in der Festschrift zum 40-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr verbunden mit einer Bannerweihe im Jahre 1928 berichtet. Dort wurde es wie folgt beschrieben:

Vor ungefähr 200 Jahren, also um 1728, sah es in unserem deutschen Vaterland und speziell in unserem Kurhessen in Bezug auf das Feuerlöschwesen nicht gerade glänzend aus. Viele Gemeinden hatten zum Teil noch keine, zum Teil recht mangelhafte Feuerlöschgeräte. Gesetzlich geregelte Löschhilfe kannte man damals noch nicht, jeder tat bei einem Brande was ihm dünkte. Die meisten Menschen fürchteten sich sogar, weil die Volkssage von Mund zu Mund ging: Ein böser Geist treibe bei einem Brand seinen Spuk.

Das einzig verfügbare Löschmittel war Wasser. Es wurde aus Brunnen oder Bächen entnommen. Teilweise musste es mit Fässern auf Pferdefuhrwerken zur Brandstelle gebracht werden. Es war die Zeit der ledernen Wassereimer, die ausgehend von der Wasserstelle über eine mehr oder weniger lange Kette von Mann zu Mann oder Frau weitergereicht wurden. Einige der Exemplare, die allerdings aus einer späteren Zeit stammen, zeigen, mit welchen Hilfsmitteln damals gearbeitet werden musste.

Durch diese aus heutiger Sicht sehr schwierige und mangelhafte Brandbekämpfung wurden oftmals ganze Straßenzüge oder sogar ganze Ortschaften vom Feuer vernichtet. Die Opfer an Menschen, Tieren und Sachwerten waren gewaltig. Von einem großen Brand in Bruchköbel, der vor 247 Jahren ausbrach, wird in der besagten Chronik von 1928 wie folgt berichtet:

Am 18. Februar 1766 brannte die stark gefüllte Scheuer des Ortsbürgers Daniel Kloos und mit ihr noch viele Nachbargebäude ab.
Viele Frauen und Männer, auch aus der Umgebung, mussten Wasser tragen helfen. Auch von Eckartshausen (3 Stunden von hier) kam der Herr Amtmann mit seiner „Spritze” und Leuten. Auf dem Heimwege kehrten diese „Eckartshäuser” bei dem Wirt Johannes Fix in Niederissigheim ein und erhielten von der Gemeinde „Zehrung”, welche 2 Gulden und 2 Albus betrug. Der damalige Bürgermeister von Niederissigheim war Johannes Martin Kümmel, der auch zur gleichen Zeit das Amt eines Gemeinderechners begleitete.

Man kann sich unschwer vorstellen, was durch das Feuer in der Zeit, bis die Hilfe aus Eckartshausen in Bruchköbel eintraf, alles vernichtet wurde. Der Bericht macht aber auch deutlich, dass es schon zu dieser Zeit eine Art nachbarlicher Löschhilfe gab. Geregelt, wenn man im heutigen Sinn davon überhaupt sprechen kann, wurde das Feuerlöschwesen in den Städten und Gemeinden zu dieser Zeit von einer sogenannten „Feuerordnung” zu der es heißt:

Endlich im Jahre 1818 erließ die kurhessische Regierung für die Städte und am 28. Oktober 1819 für die Landgemeinden eine sogenannte Feuerordnung, welche das Feuerlöschwesen regelte.

In der Feuerlöschordnung wurde von Mannschaften gesprochen, die aus „Löschdienstpflichtigen“ oder in den süddeutschen Ländern hauptsächlich aus Mitgliedern der Turnvereine bestanden.
Sicherlich hat bereits zu dieser Zeit auch in Bruchköbel eine Feuerlöschtruppe bestanden. Aufzeichnungen darüber existieren leider nicht.
Einige Anhaltspunkte dafür sind in ebenfalls der Chronik von 1928 enthalten. Dort heißt es zu einem Brand vom 9. März 1854:

Die Hofscheuer des Herrn Geheimen Regierungsrat von Savigny*) wurde eingeäschert. Aus der ganzen Umgebung waren die Feuerwehren mit Spritzen zum Brand geeilt, ja selbst die Frankfurter Feuerwehr war zur Stelle. Das Feuer war so gewaltig, dass man in der Nacht auf der Straße in Hanau einen Kreuzer liegen sah und aufheben konnte.

*) Das Hofgut des Geheimen Regierungsrates von Savigny befand sich an der Stelle, an dem heute die Straße „Am Heeggraben“ in die Hauptstraße mündet. Das „Herrenhaus“ des Hofgutes steht noch und beherbergt eine Gaststätte.

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Der Bericht beschreibt schon den Einsatz von Spritzen und nicht mehr nur von Löscheimern. Ein riesengroßer Fortschritt in der Brandbekämpfung. Der Einsatz dieser Spritzen erforderte aber eine große Mannschaft; denn es war nur mit hoher körperlicher Anstrengung möglich, diese Spritzen effektiv einzusetzen. Bruchköbel hatte zu dieser Zeit auch schon eine Spritze. Über deren Anschaffung und Einsatz fehlen uns leider Unterlagen. Bekannt ist lediglich, dass die Spritze im Jahre 1864 von den Gebrüdern Bracker in Hanau umgebaut wurde. Das hat die Gemeinde 731 Gulden gekostet. Diese Spritze tat noch gute Dienste bis zum Jahre 1888. Dann versagte sie jedoch. In einer Chronik der Stadt Bruchköbel ist darüber zu lesen:

Die älteste Spritze, ein sehr mangelhaftes Löschgerät hatte anscheinend kein eigenes Heim. Das wenig genutzte Backhaus neben dem Dorfbrunnen wurde als Raum für die Unterbringung der Spritze hergerichtet. Der Chronist schreibt zu diesem Backhaus (Spritzenhaus) weiter:

Das Spritzenhaus bedeutet eine Verunstaltung unseres herrlichen Dorfplatzes und muss darum bald dort verschwinden. Welch ein Gegensatz zum gegenüberliegenden Rathaus. Dieses ist ein köstliches Schmuckstück unseres Dorfes. Dennoch bedeutete „das alte Spritzchen“ für die damalige Zeit einen gewaltigen Fortschritt.

In einem Katasterbuch des Jahres 1839 finde ich nämlich noch eine Aufstellung, in der die Kosten für „Feuereimer“ erwähnt werden. Nach einer Bleistiftnotiz in diesem Buche betrug die Einnahme der Gemeinde „für Feuereimer“ 9 Gulden und 8 Kreuzer. Jeder Einwohner war verpflichtet, eine nach seinem Vermögen bemessene Anzahl Feuereimer zu erwerben.

Die Gemeinde unter dem damaligen Bürgermeister Andreas Schröder war somit gezwungen, eine neue Spritze anzuschaffen. Der Kauf einer Saug- und Druckspritze, einer so genannten „Abprotzspritze”, wurde bei der Firma Julius Braun in Nürnberg vorgenommen. Diese Art Spritzen wurden auf einem einachsigen Handwagen zum Einsatzort gezogen und dann von diesem Wagen „abgeprotzt“. „Abprotzen“ ist ein Begriff der vom Militär übernommen wurde. Er bedeutet einfach, dass man das transportierte Gerät auf den Boden gleiten ließ, wo es dann einsatzbereit war. War das geschehen, konnte die Spritze als Saug- und Druckspritze verwendet werden. Zur Bedienung fehlte es jedoch an der dafür ausgebildeten Mannschaft. Deshalb beschloss der Gemeinderat, eine „Freiwillige Feuerwehr” ins Leben zu rufen.

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel

Nun war es also soweit, dass die „Freiwillige Feuerwehr Bruchköbel“ als Verein gegründet wurde. Im Gründungsprotokoll wird folgendes geschrieben:

„Durch Ankauf einer neuen Saug- und Druckspritze seitens der hiesigen Gemeinde im Monat Juni 1888 wurde hier die Bildung einer freiwilligen Feuerwehr ein Bedürfnis. Es wurde deshalb zur Formierung derselben von Seiten der Ortsbehörde 24 Mann ausgewählt und dieselben zur Besprechung der Angelegenheit auf das hiesige Rathaus bestellt.
Aber die Bestellten stimmten der Sache, so, wie sie von der Gemeindebehörde vorgeschlagen, nicht bei, da hiermit keine freiwillige, sondern eine Pflicht-Feuerwehr geschaffen würde. Es traten deshalb kurze Zeit darauf einige Männer zusammen, um eine freiwillige Feuerwehr nach dem Muster auswärtiger freiwilliger Wehren zu bilden. Am 19. Juni 1888 wurde auf dem hiesigen Rathaus eine allgemeine Versammlung anberaumt, wobei sich fast alle von der Ortsbehörde vorher ausgewählten Mannschaften mit noch einigen anderen, in summa 38 Mann, sofort der Bildung einer freiwilligen Feuerwehr anschlossen”.

Im Verlaufe der Gründungsversammlung wurde mit der Wahl der Führung die Voraussetzung dafür geschaffen, die Freiwillige Feuerwehr zu organisieren und aufzubauen.
Andreas Ruth III., genannt der „Sedansjörg”, wurde Hauptmann der Feuerwehr. Jean Baumann (von 1893 bis 1924 auch Bürgermeister von Bruchköbel) wurde sein Stellvertreter und 1. Zugführer. Der Landwirt Georg Weber wurde 2. Zugführer und der Schmiedemeister Heinrich Engelhaupt wurde Maschinist, war also für den Einsatz der neuen Spritze zuständig. Heinrich Baumann V. wurde Steiger-Obmann und Karl Baumann Schlauchleger-Obmann. Dem damaligen Brandmeister Max Müller wurde als Stellvertreter Heinrich Fliedner I. „beigegeben“, wie es im Protokoll heißt.
Noch am Tage der Gründung wurden die aufgestellten Satzungen einstimmig angenommen und von folgenden Gründern unterschrieben:

1. Andreas Ruth III. *) 20. Karl Baumann I.
2. Jean Baumann 21. Wilhelm Schönmeyer
3. Georg Weber 22. Andreas Baumeister
4. Heinrich Engelhaupt 23. Kaspar Wenzel
5. Heinrich Baumann V. 24. Ernst Demuth
6. Max Müller 25. Philipp Müller III.
7. Heinrich Fliedner I. 26. Karl Weber
8. Andreas Viehmann 27. Konrad Lohfink
9. Karl Krauß 28. Heinrich Fliedner II.
10. Konrad Baumann II. 29. Max Heck
11. Heinrich Seibel 30. Philipp Esch
12. Johannes Kürschner 31. Peter Ruth III.
13. Konrad Günther 32. Heinrich Emmel I.
14. Heinrich Heck I. 33. Philipp Heck III.
15. Karl Heck I. 34. Konrad Staudt II.
16. Georg Schmidt 35. Philipp Ruth
17. Konrad Altvater 36. Georg Köhler
18. Konrad Holzheimer 37. Georg Müller
19. Heinrich Ruth II. 38. Heinrich Schönhals

*) An dieser Stelle eine Anmerkung zur Schreibweise der Namen der Feuerwehrkameraden. Zu dieser Zeit erhielt der männliche Nachwuchs in den Familien oft den Vornamen des Vaters oder des Großvaters. Zur Unterscheidung wurde dann eine Nummerierung genutzt, wie man sie heute noch in Adelshäusern findet. Wenn hier also „Andreas Ruth III.“ genannt ist, dann war es der Dritte in der Familie, der diesen Namen trug.

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Die Gemeinde musste nach der Beschaffung der Spritze noch für die Anschaffung von Kitteln und Mützen sorgen, dann konnte mit der Ausbildung begonnen werden.
Unter der vorzüglichen Leitung des tapferen und rastlosen Hauptmanns Andreas Ruth III. wurde nun fleißig geübt und der Geist einer guten Kameradschaft gepflegt.
Nach achtjähriger erfolgreicher Tätigkeit wurde der Kamerad Andreas Ruth III. im Jahre 1896 durch seinen Tod jäh aus den Reihen der Feuerwehr gerissen. Das war ein großer Verlust für die Wehr.
Aufzeichnungen aus dieser Zeit sind leider nicht oder nur sehr spärlich vorhanden. Die Wehrleute hatten, wie man heute sagen würde, andere Prioritäten, als die Entwicklung der Wehr in einem Protokollbuch festzuhalten. Aus diesem Grunde können wir hier auch nicht darüber berichten, wie sich die Freiwillige Feuerwehr entwickelte, wie der Übungs- und Ausbildungsbetrieb lief und welche Einsätze bewältigt werden mussten. Festgehalten ist aber, dass der Schreinermeister Heinrich Emmel in der Jahresversammlung am 6. September 1896 als Nachfolger von Andreas Ruth III. gewählt wurde. Die Zahl der Mitglieder schwankte seinerzeit zwischen 40 und 50. Auf der gleichen Versammlung wurde der Vorstand nochmals aufgefordert, auf die Gemeinde einzuwirken, dass am Krebsbach zur besseren Wasserversorgung ein Saugrohr geschaffen wird. Dieses wurde Anfang 1897 dann auch angelegt.
Nachdem im Jahre 1900 Heinrich Emmel sein Amt freiwillig niederlegte, führte Heinrich Schönhals die Wehr ein Jahr lang. Sein Nachfolger und Hauptmann wurde am 10. November 1901 der damals 27-jährige Jean Altvater. Das war im Rückblick betrachtet ein Glücksgriff für die Feuerwehr.

Von der ersten Satzung, die lt. Protokoll in der Gründungsversammlung von 1888 verabschiedet worden war, liegt uns leider kein Exemplar vor. Es gibt aber Unterlagen aus den Jahren 1906 und 1908, in denen Regeln für das Feuerlöschwesen vom Regierungspräsidenten in Kassel in einer so genannten „Polizeiverordnung betreffend die Regelung des Feuerlöschwesens“ herausgegeben wurden. Hier heißt es u.a.:

§ 1 In jedem Gemeinde- und Gutsbezirk ist eine Pflichtfeuerwehr zu bilden.
§ 2 Dienstpflichtig in der Pflichtfeuerwehr ist jeder männliche Einwohner eines Gemeinde- und Gutsbezirks, welcher nicht als aktives Mitglied einer für den betr. Bezirk gebildeten freiwilligen Feuerwehr angehört, deren Statuten und Dienstordnungen durch den Landrat (Ortspolizeibehörde in Stadtkreisen) bestätigt sind und deren Leistungen den zu stellenden Anforderungen genügen, vom vollendeten 17. bis zum vollendeten 50. Lebensjahre.

In Bruchköbel bestand bereits eine Freiwillige Feuerwehr, daher war die Bildung einer Pflichtfeuerwehr nicht notwendig. Anzunehmen ist aber, dass das die Verordnung des Regierungspräsidenten Auslöser dafür war, dass im Jahre 1908 eine neue „Satzung der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel“ entwickelt wurde. Bestimmte Formulierungen der neuen Satzung der Feuerwehr decken sich mit der „Polizeiordnung“; denn es heißt:

§1 Die freiwillige Feuerwehr Bruchköbel besteht aus Mitgliedern der Bürgerschaft. Die Aufnahme kann erfolgen vom 17. bis zum vollendeten 50. Lebensjahre und besteht vorerst aus:
1. Steigermannschaft
2. Spritzenmannschaft
3. Rettungsmannschaft

und kann sich bei einer Vermehrung auf Ordnungsmannschaft erstrecken.

§ 2 Ihr Zweck ist, bei Feuersgefahr das bedrohte Leben und Eigentum der Bewohner von Bruchköbel zu schützen und bei auswärtigen Bränden nach Maßgabe der Polizeiverordnung vom 1. September 1906 Hilfe zu leisten.

Um die Einsatzbereitschaft und die Ordnung in der Feuerwehr sicherzustellen wurden auch Festlegungen getroffen, welche Konsequenzen ein Verstoß hatte. Es heißt:

§ 7 Wer der Vorschrift nicht pünktlich nachkommt und nicht 24 Stunden nachher seinem Führer genügende Entschuldigung beigebracht hat, verfällt in eine Strafe von 1 M. Wiederholtes Fehlen ohne jede oder ohne genügende Entschuldigung, sowie widerspenstiges und unordentliches Benehmen oder Ungehorsam während der Übungen wird mit Ausstoßen aus der freiwilligen Feuerwehr bestraft.

Bemerkenswert ist auch die Festlegung, dass die Feuerwehrmänner nur bis zum vollendeten 50. Lebensjahr aufgenommen werden konnten. Offenbar wurde damit berücksichtigt, dass die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer zu dieser Zeit etwa bei 50 Jahren lag. Heute ist im „Hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetzt (HBKG)“ eine Altersgrenze für den aktiven Feuerwehrdienst von 60 Jahren festgeschrieben. Aus dieser Zeit wird berichtet, dass es Jean Altvater war, dem es nur unter ungeahnten Schwierigkeiten, aber mit einer großen Hingabe und Aufopferung gelang, die Wehr zu einer großen Zeit zu führen, in der die Anforderungen an die Leitungsfähigkeit immer weiter zunahmen. Die Zunahme der Anforderungen machte es notwendig, mehr Wehrmänner zu haben. Mit dem Einverständnis der Gemeindebehörden wurden daher mit einem Aufruf an die männliche Bevölkerung Schritte unternommen, die Wehr zu vergrößern. Es konnten 40 neue Mitglieder gewonnen werden. Damit waren insgesamt 105 Feuerwehrkameraden verfügbar, die den Schutz der Bevölkerung sicherstellten. Der Historie der „Haingartenschule“ ist zu entnehmen, dass Bruchköbel zu dieser Zeit etwas über 1.200 Bewohnerinnen und Bewohner hatte. Wenn man das im Verhältnis sieht, waren etwa 10 % der gesamten Bevölkerung aktives Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr. Das war eine stolze Zahl; denn bei den 1.200 Einwohnern waren natürlich auch Frauen und Kinder dabei. Die Prozentzahl der aktiv in der Feuerwehr tätigen Männer lag daher deutlich über 10 %. Aufgrund dieser Größe wurde die Wehr nunmehr in zwei Kompanien eingeteilt. Konrad Altvater wurde Hauptmann der ersten Kompanie. Ihm folgte kurze Zeit später Theodor Kleiß. Jean Kircher führte die zweite Kompanie.

Bei dieser Größe und den verstärkten Anforderungen fehlte jetzt eine zweite Saug- und Druckspritze. Daher beschloss die Wehr am 12. Februar 1912 einstimmig, die Anschaffung der weiteren Spritze auf eigene Kosten. Da das nicht aus der Vereinskasse finanziert werden konnte, sammelten die Mitglieder die stolze Summe von 500,00 Mark. Die Ortseinwohner spendeten 215,00 Mark. Die Hessische Brandversicherungsanstalt leistete einen Zuschuss von 600,00 Mark. Die Spar- und Darlehenskasse spendete 75,00 Mark. Der Landrat, der Landgraf von Hessen, der Geheime Regierungsrat von Savigny und Hauptmann Wilhelmi (Besitzer des Mönchhofes) *) steuerten weitere Mittel zum Kauf bei.

*)Der „Mönchhof“ wird sicher vielen Leserinnen und Lesern kein Begriff mehr sein. Es handelte sich dabei um den Bauernhof, der an der Stelle stand, an der heute das neue Rathaus zu finden ist. Dazu gehörte das gesamte Gelände, auf dem das Hochhaus und das Ärztehaus stehen

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Am 25. November 1912 wurde die neue Spritze von der gesamten Wehr unter Musikbegleitung durch die Kapelle am Bahnhof in Bruchköbel abgeholt. Das Feuerlöschgerät war von der Firma Karl Schröder in Eschwege auf einem vierrädrigen Überlandwagen aufgebaut worden und kostete zusammen mit 200 Metern Schlauch seinerzeit 1.775,00 Mark. Nach der technischer Abnahme durch Baurat Fitz aus Kassel am 10. Dezember, konnte die Spritze ihrer Bestimmung übergeben werden.
Im Jahre 1912 kam es bei der Generalversammlung der Feuerwehr zu einem nicht alltäglichen Ereignis. Es lag ein Antrag des 1910 gegründeten Musikvereines vor, geschlossen der Feuerwehr beizutreten. Diesem Antrag wurde entsprochen. Die Mitgliederzahl der Feuerwehr erhöhte sich dadurch auf 115. Der Musikverein erhielt einen neuen Namen und trat hinfort als „Kapelle der Freiwillige Feuerwehr Bruchköbel“ in die Öffentlichkeit. Es wurde auch beschlossen, dass die Musiker „ihre Angelegenheiten weiterhin selbst regeln“. Da man schon zu der damaligen Zeit in Finanzdingen sehr vorsichtig war, wurde auch beschlossen, „dass die Feuerwehr für keinerlei Verbindlichkeiten der Kapelle eintreten würde“. Die Kapelle entwickelte sich prächtig und wurde ein Vorbild aller Feuerwehrkapellen im Kreis Hanau. Aus dieser Zeit stammt auch ein Liederbuch für Freiwillige Feuerwehren. Im Vorwort des Buches heißt es:

Die Liebe zum Gesang, welche man im ganzen deutschen Vaterland findet, hat sich auch in den Kreisen unserer freiwilligen Feuerwehren längst schon kundgetan. Aber in dieser Beziehung begegnen wir sehr oft einem Übelstande; denn selten überragt das Können des Textes den ersten Vers. Das Bestreben nun, dieser Gedächtnisschwäche unterstützend entgegen zu kommen, verdankt das vorliegende Büchlein sein Erscheinen.

Was in dem Liederbuch als geselliger Ablauf bei Feiern beschrieben wurde, entsprach in der Realität schon dem Übungs- und Einsatzablauf der Feuerwehren. In der Satzung von 1908 sind diese Abläufe auch so ähnlich festgeschrieben. Es gab klare Kommandos. Das ist sowohl für Übungen als auch für Einsätze sehr wichtig. Ohne die Klarheit von Anweisungen, die vom Empfänger des Befehles wiederholt werden müssen, sind Einsätze nicht sicher zu führen. Jeder Feuerwehrmann riskiert bei vielen Einsätzen Leben und Gesundheit. Dieses Risiko in Grenzen zu halten benötigt eine klare Sprache.

25 Jahre Freiwillige Feuerwehr Bruchköbel

Am 12. und 13.Juli 1913, also kurz vor dem ersten Weltkrieg, feierte die Wehr unter großer Beteiligung der Ortsvereine und Bürger ihr 25-jähriges Jubiläum.
Bekannt ist noch das Programm des Festkommerses, der am Samstag, den 12. Juli 1913 stattfand. Aus diesem Programm geht hervor, dass die Besucher selber aktiv werden mussten; denn unter „Allgemeinem Gesang“ galt es, kräftig mitzusingen. Um sicherzugehen, dass das nicht an mangelnden Textkenntnissen scheitern würde, haben die Veranstalter die Liedtexte auf die Rückseite des Programmes aufdrucken lassen. Weitere Aufzeichnungen existieren leider nicht. Es ist anhand der Einladung anzunehmen, dass es ausschließlich einen Festkommers gab. Darauf deutet die Überschrift „Feier des 25 jährigen Jubiläums“ hin.

Der 1. Weltkrieg

Die Einsatzfähigkeit der Wehr wurde durch den ersten Weltkrieg praktisch zunichte gemacht; denn 94 Mitglieder wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Trotz dieses Aderlasses musste der Feuerschutz für die Gemeinde gesichert und organisiert werden. Also wurde eine Pflichtfeuerwehr gebildet. Alle männlichen Bewohner, die nicht zum Kriegsdienst eingezogen worden waren wurden Mitglieder dieser Pflichtfeuerwehr. Hierzu wurde das Dorf längs der Hauptstraße geteilt und jede Hälfte einer Kompanie unterstellt. Von den 94 eingezogenen Wehrmännern starben 10 im Krieg, weitere 4 sind an den Kriegsverletzungen gestorben.
Nach dem Ende des Krieges war es sehr, sehr schwierig, wieder eine Vereinsstruktur aufzubauen und die Freiwillige Feuerwehr zu neuem Leben zu erwecken. Die zurückgekehrten Kameraden waren nur schwer davon zu überzeugen, wieder freiwilligen Dienst in Uniform zu leisten. Dass es trotz großer Schwierigkeiten gelang, zeigen Protokollunterlagen, in denen berichtet wird, dass Anfang 1922 wieder ein Mitgliederbestand von 125 Mann erreicht werden konnte.
Dass auch die Geselligkeit in der Freiwilligen Feuerwehr wieder zum Leben erweckt wurde, zeigt ein Eintrag zur Generalversammlung vom 17. Juni 1922 in dem es kurz und knapp heißt:

2. ) Gartenfest: Beschluß zur Abhaltung bei Gastwirt Schmidt.

(Gastwirt Schmidt ist das Gasthaus „Zum Adler“ am Freien Platz.)

Die 1920er Jahre

Am 8. Juli 1922 trat Kommandant Jean Altvater, der fast 21 Jahre die Feuerwehr sehr erfolgreich geführt hatte, von seinem Posten zurück. In der Generalversammlung am 17. Juli wurde als sein Nachfolger der Steigerobmann Georg Blum gewählt. Gleichzeitig wurde Jean Altvater zum Ehrenkommandant der Freiwilligen Feuerwehr ernannt.

Zu Beginn der 1920er Jahre begann man damit, die Freiwilligen Feuerwehren auch überörtlich zu organisieren. Im Jahre 1922 wurde der Feuerwehr-Kreisverband Hanau gegründet, dem auch die Bruchköbeler Wehr beitrat. Der im Juli 1922 gewählte Kommandant Blum führte die Wehr bis zum Januar 1925. Sein Nachfolger wurde der Metzgermeister Georg Müller. Die Führung der beiden Kompanien übernahmen Jean Pilger und Andreas Iffland. Wenige Wochen später beschloss die Generalversammlung einstimmig, eine Schiebeleiter anzuschaffen. Mit dieser Leiter war eine deutlich bessere Bekämpfung von Dachbränden möglich. Die Firma Maury & Co. in Offenbach wurde mit der Lieferung einer zweirädrigen und zweiteiligen Schiebeleiter – „System Metz” – mit einer Steighöhe von 12 Metern beauftragt. Der Kaufpreis von 1.203,00 Mark wurde von der Gemeinde und durch einen Zuschuss von der Hessischen Brandversicherungsanstalt aufgebracht.
Im Jahre 1928 fanden die Feierlichkeiten zum 40-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr verbunden mit einer Bannerweihe statt. Vom 2. – 4. Juni 1928 wurde auf der Viehweide unter Benutzung der Turnhalle (heute steht dort das Bürgerhaus) gefeiert. Anlässlich des Festes wurde eine für diese Zeit umfangreiche Festschrift herausgegeben. Bruchköbeler und auswärtige Geschäftsleute inserierten in der Festschrift und finanzierten so die Herstellung. Diese Geschäftsleute „seien hiermit der gütigen Beachtung der geehrten Festgäste und unseren Mitgliedern bestens empfohlen“, so wurde es damals in der Festschrift formuliert. Die Besucherinnen und Besucher des Festes mussten seinerzeit auch Eintritt bezahlen. Die Dauerkarte kostete 80 Pfennige. Für die Einzeltage wurden gesonderte Kartenpreise festgelegt. Für den Samstag 30 Pfennige, für den Sonntag 40 Pfennige und für den Montag noch 20 Pfennige. Erfreulicherweise wurde durch den Eintritt und den Verkauf von Speisen und Getränken insgesamt ein Überschuss von 1.200,00 Mark erwirtschaftet.

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In der Festschrift zu dieser Veranstaltung ist folgendes Festprogramm aufgeführt:

Samstag den 2. Juni abends 8 Uhr:
Akademische Feier mit Kommers,
Bannerweihe, Ehrung der Gründer und Jubilare usw. in den Hallen auf dem Festplatz unter gütiger Mitwirkung hiesiger Vereine

Sonntag den 2. Juni vorm. 6 Uhr:
Weckruf
Vorm. 11 Uhr
Friedhofsfeier
mit Kranzniederlegung
ab 12 Uhr:
Empfang der auswärtigen Vereine.
Ab 1 Uhr: Aufstellung des Festzuges
Ab 2 Uhr: Abmarsch des Festzuges
durch die Ortsstraßen, hierauf
Großes Volksfest und Tanz
auf dem Festplatz

Montag den 4. Juni, vormittags
Frühschoppen-Konzert
auf dem Festplatz.
Nachmittags 3 Uhr:
Großes Volksfest auf dem Festplatz

Im Protokollbuch ist vermerkt, dass verschiedene Vereine sogenannte „Fahnennägel“ für das Banner gestiftet haben. U.a. waren das die Feuerwehr aus Hanau, die Turngesellschaft Bruchköbel, der Männerchor Bruchköbel, die Turngemeinde Bruchköbel, der Kaninchenzuchtverein und die Kapelle.
Die Festschrift enthält einen sehr interessanten Rückblick auf die Einsätze der Feuerwehr in den letzten 40 Jahren. Es wird damit deutlich, wie sich die Einrichtung der Freiwilligen Feuerwehren bewährt hat. Es wird aber auch aufgeführt, welchen Gefahren die Feuerwehrmänner beim Einsatz ausgesetzt sind. Auch Mängel am Material wurden aufgezeigt. Insgesamt wird von 31 Einsätzen und Hilfeleistungen bei Hochwassergefahren berichtet. Wir wollen an dieser Stelle einige Beschreibungen widergeben:

Endlich soll noch darauf hingewiesen werden, was die Freiwillige Feuerwehr Bruchköbel seit ihrem Bestehen zum Wohle der Gesamtheit geleistet hat.
Der erste Brand, den die Wehr mitmachte, war am 28. Mai 1889 in Wachenbuchen, wo dieselbe vier Stunden ununterbrochen in anstrengender Arbeit aushielt.
Der 5. Brand war der große Brand am 21., 22., und 23. Juli 1895 auf dem Kinzigheimer Hof, wo sich die Wehr besonders bei der Rettung des Viehes sehr verdient machte. Dieser 3-tägige Brand kostete die Wehr außerordentlich viel Arbeit, Anstrengung und Gefahr. Denn kaum war ein Gebäude gerettet, so wurde das Feuer von ruchloser Hand auf einer anderen Seite wieder neu angelegt.
11. Brand war am 28. März 1899. Hierbei bewährte sich besonders der neu angelegte Krebsbachsauger aufs Beste. Große Wassermengen wurden sieben Stunden lang auf die angrenzenden Gebäude mit vollem Erfolg geschleudert.
19. Brand war hier am 18. Januar 1908. Dem schnellen und sicheren Eingreifen der Wehr war es zu verdanken, dass das Wohnhaus vom Feuer verschont blieb. Bei den Rettungsarbeiten wurde der Steiger Gotthold Walther von plötzlich einstürzendem Mauerwerk verschüttet, jedoch durch das schnelle und mutige Eingreifen der Kameraden, wenn auch schwer verletzt, aus den Trümmern gerettet.
31. Brand war in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1927 hier die große Hanauer Küchenmöbelfabrik von Konrad Schwab. Ein so großes Feuermeer hat Bruchköbel und die ganze Umgebung wohl noch nie gesehen. Punkt 12 Uhr wurde die Wehr durch Glocken und Hornsignale alarmiert. Als sie am Brandort ankam, stand der vordere Bau, nach dem Dorf hin gelegen schon in hellen Flammen und bedrohte das angrenzende gewaltige Holzlager und den Packraum. Die Wehr konnte das Lager halten obwohl schon von der gewaltigen Hitze die Dachsparren brannten. Die Wehr von Hanau traf mit ihrer Motorspritze ein, ebenso die Nachbarwehren von Nieder- und Oberissigheim, Roßdorf und Mittelbuchen, die von allen Seiten den Brandherd angriffen. Auch die Wehr von Langendiebach erschien noch später, brauchte aber nicht mehr in Tätigkeit zu treten. Dieser Brand zeigte manchen Mangel an den einzelnen Wehren. Ganz enorm war der Verlust an Schlauchmaterial.

Der erfreuliche Erlös des Festes wurde aber nicht wie es zu erwarten gewesen wäre, in die Vereinskasse überführt. Zu dem Überschussbetrag heißt es in einem Beschluss der Generalversammlung vom 24. November 1928: „Der Überschussbetrag des Festes zum 40-jährigen Jubiläum sei in einer Sterbekasse für die Mitglieder anzulegen “. Der Vorstand wurde mit der Ausarbeitung der entsprechenden Satzung für die Verwendung dieser Gelder beauftragt. Die Jahresversammlung am 23. Januar 1929 legte fest, dass in den nächsten drei Jahren je Sterbefall 50,00 Mark zur Auszahlung zu bringen seien. In der Generalversammlung 1928 wurde der Ehrenkommandant Altvater als neuer Bezirksbrandmeister vorgestellt. Zu diesem Bezirk gehörten die Feuerwehren von Bruchköbel, Nieder- und Oberissigheim, Roßdorf und Mittelbuchen. Der Bezirk war Teil des Feuerwehrverbandes Hanau Land. Diese Wehren hielten danach auch einmal im Jahr eine gemeinsame Bezirksübung ab, in der der gemeinsame Einsatz geübt wurde.
Bereits 1930 gab es erneut einen Führungswechsel in der Feuerwehr. An die Stelle von Kommandant Müller wurde Jean Baumann gewählt. Ebenfalls 1930 ließ sich die Wehr einen Hydranten- und Schlauchwagen hier im Ort bauen. Dafür fielen Kosten in Höhe von 200,00 Mark an. Die zu dieser Zeit bestehende „Hydrantenabteilung“ der Wehr war damit bestens gerüstet. Eine spezielle Dienstanweisung wurde für sie erstellt und verabschiedet.
Im Juli 1931 wurde der Ehrenkommandant Jean Altvater unter großer Beteiligung der Wehr zu Grabe getragen. Als Nachfolger des Verstorbenen im Amt des Bezirksbrandmeisters wurde der Kommandant der Bruchköbeler Wehr, Jean Baumann gewählt.
Auf welches Personal und auf welche Ausrüstungsgegenstände die Wehr für Brandeinsätze zurückgreifen konnte, zeigt eine Bestandsmeldung an den Kurhessischen Feuerwehrverband vom Juli 1932. Dort ist folgender Stand vermerkt:

Mitglieder 105 Leitern 5
Spritzen 2 Rettungssack 1
Masch. Leitern 1 Schläuche 450 m
Schlauchwagen 2

Nach den Aufzeichnungen aus der Festschrift von 1928 zu urteilen, waren die in der Meldung aufgeführten Mitglieder die aktiven Mitglieder der Wehr; denn es gab im Jahre 1928 schon 34 passive Mitglieder.
Lassen Sie uns an dieser Stelle noch einmal auf die Struktur der Wehr im Jahre 1928 eingehen, die wie folgt aussah:

• Kommandant
• Führer des 1. Zuges mit Stellvertreter
• Führer des 2. Zuges mit Stellvertreter
• 7 Ehrenmitglieder
• 40 Wehrmänner im 1. Zug
• 47 Wehrmänner im 2. Zug
• 10 Steiger
• 34 passive Mitglieder

Die Zahl der aktiven Mitglieder im Jahre 1928 deckt sich damit in etwa mit der Meldung aus dem Jahre 1932. Aus der Struktur geht hervor, dass es immer noch speziell ausgebildete Wehrmänner gab, die eine bestimmte Aufgabenstellung auszuführen hatten.

In den Feuerwehrorganisationen hatte man aber längst erkannt, dass diese Struktur den Anforderungen an die Wehren nicht mehr entsprach. Durch Schulungen und Übungen wurde Ende 1932 mit der Ausbildung zum „Einheitsfeuerwehrmann” die Konsequenz daraus gezogen. Ein Feuerwehrmann sollte nicht nur eine spezielle Tätigkeit ausführen können, sondern er sollte universell einsetzbar sein. Dieses Ansinnen war auch mit Anlass dafür, eine Landesfeuerwehrschule zu gründen, in der die Wehrmänner auf die veränderte Aufgabenstellung vorbereitet wurden. Die offizielle Bezeichnung der Schule war „Hessisch Nassauische Provinzialfeuerwehrschule“. Sie befand sich in Kassel. Weitere Lehrgänge wurden auf Kreisebene durchgeführt.
Diese war und ist zweifelsohne nach wie vor richtig. Sie deckt aber heute nicht mehr alle an die Wehr gestellten Anforderungen ab. Heute und das können Sie jedes Jahr beim Tag der offenen Tür sehen, ist neben dem weiterhin notwendigen „Einheitsfeuerwehrmann“ für einige Einsatzszenarien Spezialwissen und weitere Spezialausbildung notwendig. Wir gehen auf diesen Aspekt in dem Artikel zur Ausbildung der Feuerwehr näher ein.

1933 – 1945 Der Nationalsozialismus

Durch die Machtergreifung Adolf Hitlers im Jahre 1933 gab es auch im Feuerlöschwesen schrittweise erhebliche Veränderungen. Zunächst wurde der gewählte Vereinsvorstand abgelöst. Der bisherige Kommandant Jean Baumann führte aber weiterhin die Bruchköbeler Wehr und ernannte weitere Mitglieder für den Vorstand. Jean Baumann wurde gleichzeitig als Kreisfeuerwehrführer eingesetzt. Neue Verordnungen und Satzungen traten in Kraft. Der Übungsdienst wurde intensiviert und militarisiert.
Dass trotz dieser Veränderungen bisherige Gepflogenheiten im Feuerwehrverband beibehalten wurden, zeigen Aufzeichnungen über den Besuch des 14. Verbandsfest des Kreisfeuerwehrverbandes Hanau-Land am 7. Juli 1935 in Eichen. „Die Bruchköbeler Wehr beteiligt sich die mit 45 Kameraden am Fest. Die Fahrt wurde in einem angemieteten Omnibus der Reichspost durchgeführt“.

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Der Geburtstag der Feuerwehr prägte das Jahr 1938. Die Veranstaltungen zum 50-jährigen Jubiläum der Wehr mussten vorbereitet werden. Den Auftakt zu den Feierlichkeiten bildete der Jubiläums-Kameradschaftsabend am 14. Mai 1938. Leider wurde der Abend dann durch einen Einsatz gestört. Die Feuerwehrleute wurden zu einem Großbrand der „Hanauer Gummischuhwerke” gerufen.

Nur wenige Wochen später sind die Kameraden erneut bei einem Großfeuer in Hanau im Einsatz. Die „Deutschen Klebstoffwerke” brannten. Bei beiden Schadensfeuern konnten die Wehrmänner ihre außerordentliche Schlagkraft durch vorbildlichen Einsatz unter Beweis stellen. Dankschreiben der betroffenen Firmen und des Oberbürgermeisters der Stadt Hanau wurden der Wehr übermittelt. Vom 2. bis 4. Juli 1938 war es dann soweit. Das 50-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr wurde gefeiert. Am Festsamstag fand der Verbandstag des Kreisfeuerwehrverbandes Hanau-Land in Bruchköbel statt. Am sonntäglichen Festzug beteiligen sich etwa 1.100 Feuerwehrmänner und mehrere Musikkapellen und Spielmannszüge.
Beim Kreisfeuerwehrverbandtag, wurde bekannt gegeben, dass auf die Feuerwehren weitere Veränderungen zukommen würden. Zukünftig wird die bisherige Freiwillige Feuerwehr eine „Feuerlöschpolizei“ sein. Die bisherige Freiwilligkeit sollte zwar bleiben, aber es wurde vorgegeben, dass alles, was einen Verein ausmacht, es wurde das „Vereinsmäßige“ genannt, verschwinden solle. Die Feuerwehren wurden in die Polizeiorganisation integriert. In diesem Zusammenhang erhielt die „Feuerlöschpolizei“ auch neue Rangabzeichen, sogenannte Schulterstücke.

Kreisfeuerwehrfest und 50-jähriges Jubiläum, 2. – 4. Juli 1938 in Bruchköbel.

Positiv ist aus dieser Zeit die deutliche Modernisierung der Ausrüstung der Wehren zu vermerken. So standen 1938 im Kreis Hanau bereits 5 Motorspritzen zur Verfügung, die an Stützpunkten, darunter war auch Bruchköbel, stationiert waren. In der Wehr begannen verstärkt Übungen mit der Motorspritze. Gegenüber den bisherigen Spritzen war das ein riesiger Fortschritt.
Als dann im Jahre 1939 der 2. Weltkrieg ausbrach, mussten erneut viele Feuerwehrkameraden aus unserer Wehr einrücken. Bald darauf trafen in der Heimat die ersten Todesnachrichten ein.
Am 12. Juni 1939 wurde der Mitbegründer der Freiwilligen Feuerwehr, Jean Baumann, der auch Ehrenmitglied der Wehr und Altbürgermeister von Bruchköbel war, zu Grabe getragen.
Durch ein Großfeuer am 29. August 1939 wurde die Scheune des Hofgutes von Savigny bis auf die Grundmauern eingeäschert.

Ende November 1939 überraschte ein Hochwasser die Gemeinde. An der Stichstraße zur Mühle stand das Wasser bis zur Hauptstraße.

Die Militarisierung der Feuerwehren nahm ihren Fortgang. Am Sonntag, den 7. April 1940 wurden über 190 Feuerwehrleute aus Bruchköbel, Mittelbuchen, Wachenbuchen, Roßdorf, sowie Ober- und Niederdorfelden als „Hilfspolizeibeamte“ vereidigt.

Durch Fliegerangriffe mit Bombenabwürfen gingen in der Nacht vom 10. auf den 11. August 1940 sieben Scheunen und zwei Wohnhäuser in Flammen auf. Zahlreiche weitere Wohnhäuser wurden stark beschädigt. Bei der Bekämpfung der Brände bewährte sich erneut die Motorspritze.

In den folgenden Kriegsjahren mussten, unter der Leitung vom Kameraden Heinrich Ermold, wiederum die älteren Mitglieder zupacken und die aufflammenden Brände bekämpfen. Nachdem auch Heinrich Ermold zum Wehrdienst einrückte, übernahm Jean Baumann wieder die Wehr. Sein Stellvertreter und technischer Leiter wurde Heinrich Viehmann IV. Die Luftangriffe wurden immer häufiger und führten zu immer mehr Brandeinsätzen nicht nur in Bruchköbel, sondern im gesamten Rhein-Main-Gebiet. Die älteren Mitglieder konnten die Brandbekämpfung nicht mehr alleine ausführen. Es mussten zusätzliche Einsatzgruppen unter Beteiligung der Hitlerjugend und der Frauen gebildet werden. Ein großer Verlust entstand der Wehr, als in den letzten Kriegstagen das vorhandene Feuerlöschfahrzeug und zusätzlich ein PKW spurlos verschwanden. Das Feuerlöschfahrzeug tauchte Jahre später wieder auf, allerdings war es zwischenzeitlich umgebaut worden.

1945 – 1959 Kriegsende

Nach Kriegsende im Jahre 1945 übernahm Heinrich Ermold wieder als Kommandant die Wehr. Unter großen Schwierigkeiten konnte er die Feuerwehr mit einigen jüngeren Kräften wieder aufbauen. Glücklicherweise waren die Wehren durch neue Geräte und Motorspritzen in der Lage, mit weniger Einsatzkräften auszukommen. Früher waren bei einer von Hand zu bedienenden Saug- und Druckspritze 40 Einsatzkräfte notwendig, um Wasser zu fördern und zum Brandherd zu pumpen. Hingegen reichten nunmehr zur Bedienung der Motorspritze und zum Löschangriff 9 Einsatzkräfte aus. Im Bericht zur Jahreshauptversammlung im Jahre 1947 ist zur Einsatzstärke, zur finanziellen Situation und zur Wiederkehr in den Alltag folgendes vermerkt:

Zum Schluss sprach Wehrführer Ermold noch den Wunsch aus, dass jeder Feuerwehrmann werben möchte für jüngeren Nachwuchs, besonders bei den Landwirten.
Wegen des geringen Kassenbestandes erwähnte der Wehrführer, dass in den vergangenen (Kriegs-) Jahren keine Kasse geführt werden konnte. Er gibt bekannt, dass der Beitrag von bisher 1,00 Mark wieder auf 1,80 Mark erhöht wird. Er erwähnte auch, dass während der Feuerwehrtagung in Langendiebach angeregt wurde, im Jahre 1947 wieder ein Feuerwehrfest abzuhalten. Herr Landrat Voller habe das sehr begrüßt und vorgeschlagen, das Fest möglichst einer Wehr zu übertragen, die in der Mitte des Kreises liegt. Vorgeschlagen waren Windecken und Bruchköbel. Wir traten zurück und behielten uns vor, im kommenden Jahr 1948 anlässlich des 60-jährigen Bestehens unserer Wehr das Fest zu übernehmen.

Bei der Jahreshauptversammlung des folgenden Jahres wurde am 10. April 1948 Philipp Herwig an die Spitze der Wehr gewählt. Sein Stellvertreter wurde Karl Köhler. Kamerad Heinrich Ermold war zwischenzeitlich Bezirks-Brandmeister des Löschbezirkes II des Kreisfeuerwehrverbandes Hanau-Land geworden. Zu dem Löschbezirk zählten die Feuerwehren aus Bruchköbel, Butterstadt, Langendiebach, Niederissigheim, Oberissigheim und Roßdorf. Wie bei der Feuerwehrtagung in Langendiebach besprochen, fand anlässlich des 60-jährigen Bestehens der II. Feuerwehrverbandtag im Oktober 1948 in Bruchköbel statt. Dazu ist im Protokoll vermerkt:

Anschließend an die Schulübungen der Motorgruppen und einer Angriffsübung sowie einer damit verbundenen Rettungsübung des Roten-Kreuzes von Hanau Stadt und Land sprachen einige Kritiker ihre volle Anerkennung aus. Danach zogen die Wehren im geschlossenen Zug, voran die Musikkapelle, durch die Hauptstraße unseres Ortes. Nachdem verteilten sich die einzelnen Wehren auf die beiden Säle (Schmidt und Leistner) um einige frohe Stunden beim Tanz zu verbringen.

Die dringend notwendige Beschaffung eines neuen Löschgruppenfahrzeuges und fehlende Unterstellmöglichkeiten für die Geräte nehmen in den Vorstands-Sitzungen und Jahreshauptversammlungen der Folgejahre breiten Raum ein. Eine direkt umsetzbare Lösung konnte nicht gefunden werden.
Am 3. Juni 1953 wurde erstmals wieder die traditionelle Übung am 3. Pfingsttag zusammen mit den benachbarten Feuerwehren und dem Deutschen Roten Kreuz durchgeführt. Ziel dieser Übung, die auch heute noch auf dem Programm der Feuerwehren und des DRK steht, ist es, gemeinsam ein angenommenes Brandobjekt zu bekämpfen und Verletzte zu bergen. Kundige Beobachter der Übung schilderten im Anschluss an die Übung den Einsatzkräften ihre Eindrücke und Vorschläge zur Verbesserung bei ähnlichen Einsätzen.
Freude löste eine Mitteilung von Bürgermeister Fritz Horst in der Vorstandssitzung am 9. März 1953 aus. Er berichtete, dass unser in den letzten Kriegstagen verschwundenes Feuerwehrfahrzeug wieder aufgetaucht war. Es war zu einem LKW umgebaut worden und wurde in Helmbrechts bei Hof in Bayern entdeckt.

Es wurde schnell beschlossen, das Fahrzeug nach Bruchköbel zu holen und es, wenn möglich wieder als Löschfahrzeug aufzubauen. Wie festgestellt wurde, war das möglich und unter tatkräftiger Mitwirkung einiger Wehrmänner wurde dieses Auto bei der Firma Wilhelm Strohl zu einem modernen Löschfahrzeug umgebaut. Die Hessische Brandversicherung zahlte den für einen Neukauf zugesagten Zuschuss von DM 5.000 dann auch für den Umbau. Am Sonntag, 27. September 1953 wurde das Fahrzeug an die Wehr übergeben. Anschließend fand eine Bezirksübung des Löschbezirkes II am Anwesen der Bäckerei Köhler (heute Ohl) statt.

Mit der Übernahme des umgebauten Löschfahrzeuges war die Feuerwehr wieder gut gerüstet, aber es mangelte noch an vielen Dingen. Die sachgerechte Unterbringung der vorhandenen Geräte und des Fahrzeuges, Neuanschaffungen von Gerätschaften, der Kauf von Uniformen wurden in dieser Zeit immer wieder diskutiert. Im Jahre 1955 lag ein Angebot der Strafanstalt Werl (Rheinland) vor, die Uniformen abzugeben hatte. Bürgermeister Horst und Ortsbrandmeister Herwig fuhren sofort hin und holten eine große Anzahl Uniformen für unsere Wehr.

Die Wehren im Wettkampf

Im Protokoll zur Jahreshauptversammlung vom 19.04.1949 ist folgender Eintrag zu finden:

Im Bericht von Hauptbrandmeister Ermold zur letzten Kreisvorstandsitzung wurde unter anderem beschlossen, dass vonseiten des Kreisvorstandes ein Wettbewerb in Schnelligkeitsübungen ausgetragen werden soll. Die vorgesehene Übung solle auf der Frühjahrstagung in Niederrodenbach gezeigt werden. Die Gruppenführer sollen bei der Übung zugegen sein, damit die einzelnen Wehren mit ihren Gruppen auch üben können. Die in den einzelnen Bezirken hervorgegangenen Sieger sollen dann bei den Ausscheidungskämpfen auf der Herbsttagung in Dörnigheim teilnehmen. Die dort Besten können durch Erwerbung eines gestifteten Pokals ausgezeichnet werden.

Damit war der Grundstein für die Wettkämpfe unter den Feuerwehren gelegt. Es ging darum, sich durch Schnelligkeit, Präzision, Zusammenarbeit und Geschicklichkeit zu vergleichen und so noch besser auf Einsätze vorbereitet zu sein. In einem Zeitungsartikel vom 19. Oktober 1949 wird über die Leistungswettkämpfe wie folgt berichtet:

Erstmals wurden in diesem Jahr die Leistungswettkämpfe durchgeführt. Der Zweck dieser Wettkämpfe sollte sein: 1. die Übungstätigkeiten in den Wehren zu steigern, 2. die Leistungen zu erhöhen und 3. die Werbung von jungen Männern zum Eintritt in die Feuerwehren.
Insgesamt nahmen 21 Gruppen der 33 Feuerwehren des Kreises teil.

In dem Artikel wird von einer Kuriosität während der Wettkämpfe berichtet. Es heißt zur Übung der Wehr aus Dörnigheim:

Sie wären mit Bestimmtheit an die Zeiten der ersten Löschgruppen herangekommen, wenn nicht ein seltsamer Zwischenfall eingetreten wäre. Aus dem ersten Rohr kam kein Tropfen Wasser. Beim Versuch, das Strahlrohr abzukuppeln platzte zu allem Überfluss auch noch der Schlauch. Es stellte sich heraus, dass sich ein frecher Spatz, der sich anscheinend in den zum Trocknen aufgehängte Schlauch verkrochen hatte, die Ursache war. Die Entscheidung über die beste Übung fiel zwischen den Wehren von Großauheim, Hüttengesäß und Bruchköbel. Am Ende war das auch das Ergebnis. Bruchköbel belegte also Platz 3. Die spätere Wettkampfordnung für die Feuerwehrwettkämpfe sah zu Beginn drei Übungsteile vor.

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1. Eine Übung, in der Wasser über Saugschläuche gefördert wurde und über Druckschläuche zum angenommenen Brandherd befördert wurde (in dem Fall waren das sogenannte „Fallklappen“, die durch den Wasserstrahl umgekippt werden mussten, was oft gar nicht so einfach war). Die dafür benötigte Zeit wurde in eine Punktezahl umgerechnet.
2. Der zweite Wettkampfteil bestand aus einer sportlichen Übung, die ohne Wasser ablief. Die Gruppe musste Druckschläuche verlegen und dabei unterschiedliche Hindernisse, wie einen Kriechgang, einen Wassergraben und einen Schwebebalken überwinden. Am Streckenende waren verschiedene Seilknoten anzufertigen, die auch in Einsatzfällen benötigt wurden. Dann wurden wieder alle Schläuche abgebaut und am Ende die Zeit genommen und in Punkte umgerechnet.
3. Im dritten Übungsteil musste der Maschinist, der auch Fahrer war mit dem Löschgruppenfahrzeug einen Parcours durchfahren, ohne dabei Hindernisse zu berühren.

Im weiteren Verlauf der Chronik wird berichtet, dass die Freiwillige Feuerwehr Bruchköbel durchaus den einen oder anderen Erfolg, sowohl auf Kreis- als auch auf Landesebene zu verzeichnen hatte. Dabei kam es auch einmal zu einem Ereignis, dass durch das schnelle und überlegte Eingreifen des sogenannten Melders der Abbruch einer Wettkampfübung verhindert wurde.

Diese Art der Feuerwehrwettkämpfe gibt es im kleineren Rahmen heute noch. Viel mehr Beteiligung erfahren allerdings Wettkämpfe mit anderen Schwerpunkten und Aufgabenstellungen. Diese Wettkämpfe werden sowohl national als auch international ausgetragen und führen bis hin zu einer Feuerwehrolympiade. Bruchköbel nimmt daran nicht teil. Anders die Wehren aus Roßdorf und Eichen die bei diesen Wettkämpfen schon beachtliche Erfolge erreichen konnten.

1960er Jahre

In der Jahres-Hauptversammlung am 21. Mai 1960 gab Bürgermeister Fritz Horst bekannt, dass die Gemeinde das Anwesen Engelhaupt in der Hauptstraße erwirbt und anschließend zu einem modernen Feuerwehrgerätehaus ausbaut. Heute steht auf diesem Gelände das Altstadt-Zentrum. Die Übergabe an die Wehr war für das Jubiläumsjahr 1963 geplant.
Am 8. August 1962 wurde bei einer gemeinsamen Sitzung des Feuerwehr-Vorstandes mit dem Bürgermeister und den Gemeindevertretern erneut über den dringend notwendigen Ausbau des Gerätehauses gesprochen. Dabei gab Bürgermeister Fritz Horst bekannt, dass in einer Bürgermeister-Dienstversammlung beschlossen wurde, in Bruchköbel eine „Kreis-Schlauchmacherei” zu erstellen. Eine Geländebesichtigung habe bereits stattgefunden. Eine endgültige Entscheidung sei noch zu treffen. Heute wissen wir, dass daraus nichts geworden ist. Es hat aber zu weiteren Verzögerungen für den Bau eines neuen Gerätehauses geführt.
Mehrere Großbrände hielten unsere Wehr im Jahre 1962 in Atem. Am 6. Februar war die Wehr bei der Firma BBC in Großauheim im Einsatz. In der Nacht vom 5. Mai brannte eine Halle im Zimmergeschäft und Sägewerk Schäfer in der Bahnhofstraße nieder. Am 6. Juni half die Wehr bei einem Scheunenbrand in Butterstadt und am 25. Juli bei einem Feldscheunen-Brand in Roßdorf. Ein größerer Waldbrand im Jagen 21 (Wälder sind in einzelne Abteilungen eingeteilt, die früher als“ Jagen“ bezeichnet werden. Sie sind durch Grenzsteine voneinander zu unterscheiden) folgte dann am 2. August.

Für die über 20 Jahre alte Tragkraftspritze (TS) wird bei der Gemeinde Ersatz beantragt. Diesem Antrag wird zugestimmt. Die Wehr sollte die neue TS 8 als Jubiläumsgeschenk erhalten.

75-jähriges Jubiläum

Die Vorbereitungen für das 75-jährige Jubiläumsfest liefen schon längere Zeit auf Hochtouren. Kamerad Kurt Wilhelmi wurde zum Festpräsidenten bestimmt. Das eigentliche Fest sollte vom 5. bis 8. Juli 1963 auf den Niederwiesen stattfinden. (Die Niederwiesen sind das Gebiet des heutigen Festplatzes im Kirleweg und das angrenzende Gebiet mit der heutigen Straße „Im Niederried“). Gleichzeitig mit dem Jubiläum fand auch das Kreisverbandsfest des Feuerwehr-Verbandes Hanau-Land in Bruchköbel statt.

Zum 75-jährigen Jubiläum, Juli 1963.

Nach Monaten der Vorbereitungen startete das Festjahr dann endlich mit der Akademischen Feier, die am 8. Juni in der Turnhalle der SG Bruchköbel stattfand. Die Festansprache hielt der Festpräsident Feuerwehrkamerad Kurt Wilhelmi. Während der Akademischen Feier wurde Ortsbrandmeister Philipp Herwig mit dem Silbernen Brandschutz-Ehrenzeichen ausgezeichnet.
Am 26. Juni erfolgte die Totenehrung auf dem Friedhof. Das eigentliche Festwochenende startete am Freitag, dem 5. Juli mit einem Fackelzug durch den Ort. Im Anschluss daran wurde der Feuerwehr wie angekündigt eine neue Tragkraftspritze (TS 8) als Jubiläumsgeschenk der Gemeinde überreicht. Ein Kommers rundete den ersten Festtag ab. Der Samstag stand zunächst ganz im Zeichen des Delegiertentages des Kreisverbandes Hanau-Land. Im Anschluss an die Tagung führten Feuerwehren eine Großübung auf den Anwesen Wilhelmi und Beckmann durch (Heute steht auf dem ehemaligen Gelände des Hofes Wilhelmi das Rathaus. Im benachbarten Haus Beckmann war im Nebengebäude eine Schreinerei untergebracht). Am Abend wurde dann zum Tanz im Festzelt aufgespielt. Am Sonntag war der große Tag des Festzuges durch die Gemeinde, der von den Ortsvereinen, den Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis Hanau und vielen Kapellen gestaltet wurde. Die Kapellen spielten im Anschluss im Festzelt auf und mit Tanzmusik klang der dritte Festtag aus. Zum Abschluss der Festtage fand am Montagvormittag traditionell ein Frühschoppen mit Musik statt. Der Nachmittag war den Kindern vorbehalten, die auf besondere Art unterhalten wurden.
Auf eine Besonderheit möchten wir hier noch eingehen. Am Montagvormittag fand eine besondere „Übung“ statt. Unsere alte Saug- und Druckspritze kam wieder einmal zu einem echten Einsatz. Den beteiligten Wehrmännern wurde schnell klar, welche körperlichen Anstrengungen die Wasserförderung in früheren Jahren erforderte und wie viele Wehrmänner dafür notwendig waren. Mit einem großen Feuerwerk fand das Fest seinen Abschluss. In der Rückschau betrachtet, war das Fest eines der größten Feste, das in Bruchköbel stattgefunden hat.

Die Jahre 1964 und 1965 verliefen relativ ruhig. Es gab einige Einsätze und natürlich regelmäßige Übungen. Die Wehr erreichte bei den Kreiswettkämpfen am 23. April 1965 in Großauheim einen hervorragenden 4. Platz. Im Verlauf der Delegiertentagung der Feuerwehren des Landkreises Hanau, am 3. Juli 1965 in Eichen, wurde unser Ortsbrandmeister Philipp Herwig zum Bezirksbrandmeister des Löschbezirks II gewählt. Gleichzeitig wurde er 2. Vorsitzender des Kreisverbandes und damit Stellvertreter des Kreis-Brandinspektors. Kamerad Heinrich Ermold wurde als Geschäftsführer und Kassierer des Kreisverbandes in Personalunion gewählt.
Im weiteren Verlauf des Jahres gab es noch andere Ehrungen und Beförderungen. Anlässlich des Familienabends der Feuerwehr und der Kapelle am 27. November 1965 wurden die Kameraden Karl Köhler und Karl Heck für 50 Jahre aktiven Dienst mit dem Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold ausgezeichnet. Der stellvertretende Ortsbrandmeister Ludwig Schlag erhielt das Ehrenkreuz in Silber für 25 Jahre aktiven Dienst. In der gleichen Veranstaltung wurde Ortsbrandmeister Philipp Herwig vom Gemeindevorstand zum Hauptbrandmeister unter Berufung in das Beamtenverhältnis als Ehrenbeamter befördert.

Das Gerätehaus

Nach langen Planungen, Verhandlungen, Überlegungen zu unterschiedlichen Varianten und den damit verbundenen Verzögerungen war es dann im Frühjahr 1966 endlich soweit, dass der Bau des neuen Gerätehauses in der Hauptstraße begonnen werden konnte. Zunächst mussten das Wohnhaus und die Nebengebäude auf dem Grundstück Engelhaupt in der Hauptstraße abgerissen werden. Da Feuerwehrmänner gewohnt sind, selbst Hand anzulegen, wurde der Abbruch größtenteils selber durchgeführt. Dabei mussten die Wehrmänner feststellen, wie stabil ein altes Fachwerkhaus zusammenhält. Es war also gar nicht so einfach und auch Traktoren aus der Nachbarschaft mussten letztlich ihr Werk einstellen. Am Ende aber waren die alten Gebäude beseitigt und der Neubau konnte begonnen werden.

In der Jahres-Hauptversammlung am 16. April 1966 sprach der Ortsbrandmeister die Hoffnung aus, das neue Gerätehaus noch in 1966 seiner Bestimmung übergeben zu können. Doch bald zeigte sich, dass dieser Termin nicht einzuhalten war. Doch was lange währt, wird endlich gut; denn in der folgenden Jahres-Hauptversammlung am 18. März 1967 wird vom Bürgermeister Fritz Horst bekanntgegeben, dass die Einweihung nunmehr am 22. April 1967 erfolgen soll. Geplant war die Übergabe ursprünglich schon für das Jubiläumsjahr 1963, also vier Jahre früher.
Am Samstag, dem 22. April 1967 war es dann tatsächlich soweit, dass das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel eingeweiht werden konnte. Zu der Feier waren auch Feuerwehrkameraden aus der Partnergemeinde Varangéville/Frankreich gekommen. Zu den Gesamtkosten von DM 264.000 gab der Landkreis einen Zuschuss von DM 30.000. Dem Landeszuschuss von DM 10.000 folgten weitere DM 10.000 aus der Feuerschutz-Steuer. Hinzu kommt noch der Kaufpreis von DM 50.000 für das Grundstück, das bereits im Jahre 1960, also 7 Jahre vor der Einweihung, von der Gemeinde erworben worden war. Alle in der Wehr waren froh und glücklich, nunmehr beste Bedingungen für Fahrzeug, Geräte und die Mannschaften zu haben. In die Freude über das Gerätehaus mischt sich einige Monate später Trauer. Am 16. September 1967 verstarb unser langjähriger Kommandant Jean Baumann der ob seiner Verdienste um die Wehr auch Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr war.

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Im Jahre 1968 wurden auf Antrag der Feuerwehr im Nachtragshaushalt der Gemeinde DM 3.000 für die Anschaffung von umluftunabhängigen Sauerstoffgeräten (Pressluftatmer) bereitgestellt. Die Geräte wurden erstmals am 10. November 1969 bei einem Brand im Fotolabor Schwab eingesetzt. Ein weiterer Schritt, die Ausrüstung der Feuerwehr den veränderten Einsatzanforderungen anzupassen.

Die Jahres-Hauptversammlung am 22. März 1969 brachte Veränderungen im geschäftsführenden Vorstand. Kamerad Karl Köhler schied als Schriftführer aus dem Vorstand aus. Sein Nachfolger wurde Armin Herwig. Innerhalb der Jahreshauptversammlung wurden die Kameraden Karl Köhler und Karl Heck für ihre langjährige, verdienstvolle Tätigkeit im Vorstand und in der Wehr zu Ehrenmitgliedern ernannt. Auch unserem Ortsbrandmeister Philipp Herwig wurde später im Jahr eine besondere Ehrung zuteil. Am 5. Juli 1969, während des Kreisfeuerwehr Verbandstages in Roßdorf, wurde Philipp Herwig, der auch Stellvertreter des Kreisbrandinspektors war, mit der höchsten Auszeichnung des Deutschen Feuerwehrverbandes ausgezeichnet. Er erhielt für seine Verdienste das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz 1. Stufe.

Am 25. Dezember 1969 traf die Wehr ein großer und schmerzlicher Verlust. An diesem Tag verstarb unser Kamerad Heinrich Ermold im Alter von 64 Jahren. Sein Wirken und Streben war stete Hilfsbereitschaft und Dienst am Nächsten. Er gehörte seit 1925 der Wehr an, war Gruppenführer und zwischen 1941 und 1948 mehrere Jahre Ortsbrandmeister. Von 1941 bis 1965 leitete er als Bezirks-Brandmeister den Löschbezirk II und war lange Jahre Hauptkassierer in unserer Wehr. Die gleiche Aufgabe betreute er über 30 Jahre im Kreisfeuerwehrverband Hanau-Land. Die Beisetzung hat am 30. Dezember 1969 unter großer Beteiligung der Feuerwehren stattgefunden.

1970er Jahre

Der längste Einsatz in der Geschichte der Bruchköbeler Feuerwehr fand in der Zeit vom 24. bis 27. Februar 1970 statt. Wir waren fast eine Woche am Hochwasser-Einsatz in Dörnigheim beteiligt. Die Situation war so, dass die Wiesen zwischen dem Main und Dörnigheim vollständig überflutet waren. Das Wasser hatte eine Höhe erreicht, die dazu führte, dass die Keller und Untergeschosse der ersten Häuserreihen unter Wasser standen. Von welcher Dramatik diese Katastrophe war, zeigte der Besuch des damaligen Innenministers der Bundesrepublik Deutschland, Hans-Dietrich Genscher, am Einsatzort. Für die Einsätze unter teilweise schwierigsten Bedingungen erhielt die Wehr eine Auszeichnung der Gemeinde Dörnigheim.

Am 14. März 1970 hat die Frühjahrstagung des Kreisfeuerwehrverbandes Hanau-Land im Bürgerhaus Bruchköbel stattgefunden. In seinen Grußworten versprach Bürgermeister Horst, der Wehr einen neuen VW-Bus zu kaufen, um mehr Feuerwehrleute und mehr Material transportieren zu können. Das Mannschafts-Fahrzeug wurde bereits am 25. Mai 1970 an die Wehr übergeben.
Für die Feuerwehr war es eine Selbstverständlichkeit, sich im Juli 1970 am 60-jährigen Jubiläum der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel zu beteiligen.
Um den Zuwachs an Mitgliedern ging es bei einer gezielten Werbeaktion, mit der sich die Wehr an die Bruchköbeler Hausbesitzer wandte. Vorstand und aktive Mitglieder gingen von Haus zu Haus, sprachen die Besitzer an und informierten sie darüber, dass sie mit ihrem Beitrag zu einem verbesserten Brandschutz in Bruchköbel beitragen könnten. Die aufwendige Aktion brachte einen erfreulichen Zuwachs von über 200 Mitgliedern. Mitte des Jahres 1973 konnten dadurch erstmals aus den Mitteln der Feuerwehrkasse Lederstiefel für alle Einsatzkräfte gekauft werden. Es hatte sich also gelohnt, die Bruchköbeler Bevölkerung anzusprechen.
Das Jahr 1971 fing mit zwei Großbränden an. Bereits in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar brannte die Gaststätte auf dem Campingplatz „Bärensee” bis auf die Grundmauern nieder. Die Pächterfamilie Wendling konnte in letzter Minute von Gästen des Campingplatzes geweckt werden und kam so nicht zu Schaden. Der Sachschaden betrug ca. DM 200.000. Am 19. Januar brannte es dann im Sekundarbereich der Gesamtschule Bruchköbel-Nord. Der Sachschaden lag hier bei ca. DM 300.000. Bei beiden Einsätzen wurde unsere Wehr von den Kameraden der Feuerwehr aus Hanau unterstützt.
Nach der Zusage des Gemeindevorstandes, ein zusätzliches neues Löschfahrzeug zu kaufen, konnte die Wehr im Februar 1971 mit den Planungen der Beschaffung beginnen. Es wurden Angebote eingeholt und Fahrzeuge besichtigt. Nach Abschluss des Auswahlprozesses wurde im April der Kauf eines LF 16 bei der Gemeinde beantragt. Bei näherem Hinsehen auf die gegebenen Örtlichkeiten im Gerätehaus stellte sich aber dann heraus, dass die Einfahrten des 1967 eingeweihten Gerätehauses für ein Fahrzeug des Typs LF 16 nicht ausreichend dimensioniert waren. Es blieb keine andere Möglichkeit als gleichzeitig mit dem Fahrzeug noch zu beantragen, das Gerätehaus um einen Garagenvorbau mit entsprechend größerem Einfahrtstor zu erweitern. Auch diesem Antrag musste die Gemeinde wohl oder übel zustimmen.
Zusätzlich konnte die Wehr in dieser Zeit ein weiteres Fahrzeug in Besitz nehmen. Von den Beiträgen der im Jahre 1971 geworbenen Mitglieder wurde ein PKW aus dem Besitz der Polizeiverwaltung gekauft. Das Auto wurde umlackiert und als Kommando-Fahrzeug in Dienst gestellt. Das Fahrzeug ist noch heute im Gerätehaus zu besichtigen.
Beim Wettkampf des Kreisfeuerwehrverbandes Hanau-Land am 16. Mai 1971 in Großauheim konnte die Wettkampfgruppe unserer Wehr einen ausgezeichneten 3. Platz erreichen.
Am 7. März 1972 konnte das bestellte Löschgruppenfahrzeug LF 16 von einigen Kameraden und Bürgermeister Walter Schreiber bei dem Hersteller abgeholt werden.

Die Gebietsreform und ihre Auswirkungen auf die Feuerwehren

Zum 1. Januar 1972 erfolgte im Rahmen der Gebietsreform des Landes Hessen der Zusammenschluss der Gemeinden Bruchköbel, Nieder- und Oberissigheim, Butterstadt zur Großgemeinde Bruchköbel (Roßdorf folgte 1974).
Dieser Beschluss hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Feuerwehren der zusammengeschlossenen Gemeinden. Klar war von Beginn an, dass die Selbständigkeit der einzelnen Wehren erhalten bleiben sollte. Durch eine noch zu beschließende Satzung musste jedoch für die Großgemeinde Bruchköbel ein verantwortlicher Ortsbrandmeister gewählt werden. Der Ortsbrandmeister hatte die Aufgabe, die Belange der einzelnen Wehren aufeinander abzustimmen und gegenüber der Gemeinde zu vertreten. Die Dienst-bezeichnung der bisherigen „Ortsbrandmeister“ sollte sich in „Wehrführer“ ändern. Insgesamt war das eine große Veränderung für die Wehren. Es kam naturgemäß zu Änderungswünschen der Wehren für die erforderliche neue Satzung und es gab auch einige Unstimmigkeiten, die jedoch im Verlauf der Diskussionen ausgeräumt werden konnten. Dadurch verzögerten sich die Verabschiedung der Satzung und die Wahlen bis zum Herbst 1973.
Am 19. Oktober fand dann die erste gemeinsame Jahresversammlung aller Feuerwehren der neuen Großgemeinde Bruchköbel im Bürgerhaus statt. Von den anwesenden 88 stimmberechtigten Mitgliedern der Einsatzabteilungen wurde Philipp Herwig einstimmig zum neuen Ortsbrandmeister aller Feuerwehren gewählt. Sein Stellvertreter wurde Ludwig Schlag, ebenfalls aus unserer Wehr.
Philipp Herwig konnte in diesem Jahr auch auf seine 25-jährige Tätigkeit als Ortsbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel zurückblicken. Er wurde dafür in der Jahres-Hauptversammlung am 29.Juni 1973 geehrt und wurde durch Bürgermeister Walter Schreiber für diese Verdienste mit einer Goldmünze ausgezeichnet.
Bereits wenige Monate später liefen im Vorstand die Vorbereitungen für die notwendig gewordene Ersatzbeschaffung des Löschgruppenfahrzeuges LF 8 an. In der Jahres-Hauptversammlung am 25. Mai 1974 konnte Bürgermeister Schreiber eine Kaufzusage für 1975 geben. Es wurde mit einer Investition von ca. 60.000 DM gerechnet, da nur eine Teilbeladung des Fahrzeuges zu beschaffen war. Wesentliche Ausrüstungsgegenstände und Geräte konnten aus dem vorhandenen Fahrzeug übernommen werden. Das Jahr 1974 war geprägt von insgesamt 21 Einsätzen auf der Deponie des Müllzweckverbandes an der Friedberger Landstraße. Es kamen dabei fast 500 Einsatzstunden zusammen. Diese Einsätze bei Tag und Nacht waren für die Wehr eine schwere Belastung. Das Einsatzmaterial wurde durch die schwierige Einsatzumgebung stark in Mitleidenschaft gezogen. Zur Abhilfe wurde für die Schlauchpflege ein Waschgerät angeschafft. Ebenso wurde ein elektrischer Schlauchaufzug für den Schlauchtrockenturm angeschafft. Bisher wurden die nassen Schläuche, die ein „ordentliches“ Gewicht haben, per Hand hochgezogen.
Bruchköbel wurde Stadt und wie die gesamte Bruchköbeler Bevölkerung und die Vereine, nahm auch die Feuerwehr an den Feiern zur Stadterhebung Anfang September 1975 teil. Eine Geräte- und Fahrzeugschau und mehrere Übungen stellten die Einsatzbereitschaft der Wehr dar. Die Stadterhebung wirkte sich insoweit auf die Feuerwehren aus, als der bisherige Ortsbrandmeister Philipp Herwig nunmehr Stadtbrandinspektor war und sein Stellvertreter Ludwig Schlag nunmehr Stellvertretender Stadtbrandinspektor.
Das Aufgabenfeld der Feuerwehren änderte sich zunehmend. Die Brandeinsätze wurden mehr und mehr durch technische Hilfeleistungen abgelöst. Für diese veränderten Einsatzbedingungen war neues technisches Gerät erforderlich. Angeschafft wurden u. a. ein Greifzug, ein Schneidgerät, ein Trennschleifer, Tauchpumpen etc.

 Die Jugendfeuerwehr wird gegründet

Zur Sicherung des Nachwuchses für die Freiwillige Feuerwehr wurde im Rahmen der Brandschutzwoche vom 10. -17. Oktober 1976 für die Gründung einer Jugendfeuerwehr geworben. Die Werbung unter den Jugendlichen war sehr erfolgreich. Als Jugendfeuerwehrwart hatte sich Rolf Emmrich zur Verfügung gestellt. Die Gründung der Jugendfeuerwehr erfolgte am 15. Dezember 1976

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Im November 1976 wird dem Ortsbrandmeister und Wehrführer Philipp Herwig eine weitere Ehrung zuteil. Er erhielt das Brandschutz-Ehrenzeichen in Gold für 40 Jahre Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel und weit darüber hinaus.

Neue Struktur der Feuerwehr

Das neue Hessische Brand- und Katastrophenschutzgesetz brachte auch für unsere Wehr Veränderungen in der Organisation. Die bisherigen aktiven Feuerwehrmänner wurden der „Einsatzabteilung“ zugeordnet und als „öffentliche Einrichtung” der Stadt betrachtet, die allerdings weiterhin der Wehrführer führt. Wenn man so will, wurden die aktiven Feuerwehrmänner damit quasi aus dem Verein herausgelöst. Auch die ehemaligen aktiven Feuerwehrmänner wurden nach dem Gesetz der „Ehren- und Altersabteilung“ zugeordnet. Von einem Verein war in dem Gesetz nicht die Rede. Der Vorstand schlug daraufhin eine Satzungsänderung des Vereines vor. Demnach waren alle bisherigen Mitglieder, also auch die zukünftige „Einsatz- Ehren- und Altersabteilung“ gemeinsam mit den passiven bzw. fördernden Mitgliedern weiterhin Mitglieder des Vereins Freiwillige Feuerwehr Bruchköbel. Der im Gesetz genannte Wehrführer der Einsatzabteilung war kraft Amtes gleichzeitig Vorsitzender des Vereins. Das galt ebenso für seinen Stellvertreter, der gleichzeitig zweiter Vorsitzender des Vereines war. Damit konnte das Ziel des Vorstandes erreicht werden, dem Verein und dem Hessischen Brand- und Katastrophenschutzgesetz Rechnung zu tragen. Die neue Satzung wurde mit Wirkung vom 1. Februar 1977 beschlossen.
In der Versammlung der Einsatzabteilung am 10. Januar 1977 werden im Beisein des neuen Bürgermeisters Udo Müller, Philipp Herwig als Wehrführer und Ludwig Schlag als Stellvertreter wiedergewählt.

Im Mai 1977 beteiligte sich eine Gruppe am Wettkampf der Feuerwehren im Main-Kinzig-Kreis in Maintal. Sie errang den 10. Platz.
Das Jahr 1978 brachte neben zahlreichen Einsätzen und vielen böswilligen Alarmen über die inzwischen installierten Feuermelder auch größere Aktivitäten im Vereinsleben mit sich. Die Stadt Bruchköbel konnte auf eine 850-jährige Geschichte zurückblicken. Wir beteiligten uns an den Feierlichkeiten mit einer Fahrzeugschau.
Was wesentlich mehr Zeit für Vorbereitung und die Durchführung in Anspruch nahm, war das Bürgerfest, an dem wir 1978 als Mitveranstalter beteiligt waren. Gemeinsam mit den Feuerwehren der Stadtteile und der Kapelle haben wir an vier Tagen ein großes Fest mit den Bürgern Bruchköbels gefeiert. Leider stand unser Fest im Wettbewerb mit der gleichzeitig laufenden Fußball-Weltmeisterschaft, sodass der wirtschaftliche Erfolg der Veranstaltung in keinem Verhältnis zum Aufwand stand.

1980er Jahre

Personelle Veränderungen prägten das Jahr 1980. Egbert Köhler wurde neuer Jugendfeuerwehrwart und unser Stadtbrandinspektor und Wehrführer Philipp Herwig beendet seinen Dienst als Stadtbrandinspektor und Wehrführer aus Altersgründen. Philipp Herwig stand 32 Jahre an der Spitze der Wehr und hat sich um den Brandschutz große Verdienste erworben. Dafür erhielt er das Bundesverdienstkreuz und wurde anlässlich seiner Verabschiedung durch die Stadt am 5. Juli 1980 zum Ehrenvorsitzenden unseres Vereins ernannt. Als Geschenk wurde ihm ein Feuerwehr-Ehrenbeil überreicht.
Wenige Wochen später wurde Hans-Jürgen Herwig neuer Wehrführer und Vorsitzender. Ludwig Schlag blieb Stellvertreter. Er wurde kurz darauf zum neuen Stadtbrandinspektor Bruchköbels gewählt. Im Mai 1981 wurde Ludwig Schlag für 40 Jahre aktiven Dienst in der Feuerwehr mit dem Brandschutz-Ehrenzeichen in Gold ausgezeichnet.
Anhaltend starke und ergiebige Regenfälle führten am 9. und 10. August 1981 im Krebsbachtal und der gesamten Region zu einer Hochwasserwelle. Das Hochwasser hatte am 11. August seinen Höhepunkt erreicht. Das Gebiet der Stadt wurde in größerem Umfang überschwemmt. Besonders betroffen waren im Kernstadtbereich das Neubaugebiet am Inneren Ring, die Hauptstraße im Bereich Bürgerhaus/Parkdeck sowie große Teile des Kirlegebietes. Mehrere Straßen mussten für den Verkehr gesperrt werden. Unsere Wehr und die Stadtteilwehren waren mit allen zur Verfügung stehenden Kräften im Einsatz. Über 100 Keller wurden ausgepumpt. Tausende von Sandsäcken wurden gefüllt und als Damm aufgesetzt. Die Wehrmänner leisteten Dienst rund um die Uhr. Viele Bürger in unserer Stadt leisteten gegenseitige Nachbarschaftshilfe, wodurch noch größerer Schaden vermieden werden konnte. Für die besonderen Verdienste bei diesem Hochwassereinsatz wurden die Einsatzkräfte am 7. Dezember 1981 durch den Magistrat der Stadt Bruchköbel mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet. Bereits am nächsten Tag war die Wehr wieder wegen starker Hochwassergefahr in Alarmbereitschaft. Doch es ging noch einmal ohne größere Einsätze ab.

Im Februar 1982 traf uns der größte Einsatz in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel. Eine Explosionskatastrophe erschütterte am 9. Februar gegen 6.30 Uhr die Stadt und das Umland. Die Produktionshalle der Kosmetikfirma Reinelt an der Hammersbacher Straße war durch eine Gasexplosion in die Luft geflogen. Näheres ist in einem ausführlichen Bericht über diesen dramatischen Einsatz hier zu lesen.
Am 20. März 1982 verstarb unser Ehrenmitglied Karl Köhler. Als langjährigem Schriftführer verdanken wir ihm viele Aufzeichnungen, die wir für diese Chronik verwenden konnten.
Ende Mai 1983 beteiligten sich einige Wehrleute an der Verschwisterungsfeier in der neuen Partnerstadt Boskoop/Niederlande. Erste Kontakte mit den Mitgliedern der dortigen „Brandweer” wurden dabei geknüpft. In 1983 waren wir zum zweiten Mal Mitveranstalter des Bürgerfestes. Die Festgemeinschaft bestand wiederum aus den Feuerwehren der Stadtteile und der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Bruchköbel. Durch die Verbindungen der Kapelle waren viele Gastkapellen anwesend, die zur Unterhaltung der Besucherinnen und Besucher aufspielten. Der von den örtlichen Vereinen gestaltete „Bruchköbeler Abend” war ein großer Erfolg.
Der Februar 1985 begann mit einem größeren Einsatz (Explosion in einer Reinigung). Erinnerungen an die Ereignisse vor drei Jahren wurden wach. Glücklicherweise gab es nur Sachschaden.
Michael März, der selbst einmal zu den Gründungsmitgliedern der Jugendfeuerwehr gehörte, übernahm in diesem Jahr das Amt des Jugendfeuerwehrwartes von Kamerad Egbert Köhler.
Zum „Tag der offenen Tür” im Rahmen der Brandschutzwoche konnten wir der Bevölkerung einen neuen „Gefahrgut-Computer“ vorstellen. Durch dieses Gerät erhalten die Einsatzkräfte Informationen und Vorschläge für die zu treffenden Maßnahmen bei Unfällen mit gefährlichen Stoffen. Ein weiterer Schritt, sich den veränderten Einsatzszenarien anzupassen und den Schutz der Einsatzkräfte zu verbessern; denn bei vielen Gefahrstoffen ist die Wahl der richtigen Mittel von großer Bedeutung und vor allem ist es wichtig, die Umwelteinflüsse zu kennen.
Anfang Juni nahmen wir mit einer kleinen Feier den neuen Einsatzleitwagen (ELW) und einen Notstrom-Anhänger mit Scheinwerfern für die Ausleuchtung von Einsatzstellen in Betrieb.
Das 10-jährige Bestehen unserer Jugendfeuerwehr konnte Ende September 1986 gefeiert werden. Im Juni 1987 waren wir erneut an der Ausrichtung des „Bürgerfestes 1987” beteiligt. Leider war dieses Fest von schlechter Witterung stark beeinträchtigt. Und die Frage, die sich auch dadurch stellte war, lohnt sich der Aufwand, der notwendig ist, um ein solches Fest zu veranstalten. Für das im nächsten Jahr anstehende Fest zum 100-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr wurde diese Frage nicht diskutiert, sondern man begann direkt nach dem Bürgerfest mit den Vorbereitungen dazu.
Starke Regenfälle lösten im Juli in Bruchköbel-Ost einen größeren Einsatz aus. Viele Keller waren überflutet. Die Einsätze konnten nur mit nachbarlicher Hilfe aus den Stadtteilen bewältigt werden.
Ein seit langer Zeit wieder einmal durchgeführter Tagesausflug, der die Feuerwehr in die Rhön und in den Vogelsberg führte, ist noch in guter Erinnerung.

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Die Brandschutzwoche mit dem „Tag der offenen Tür”, der durch ein Platzkonzert der Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr umrahmt wurde, fand guten Zuspruch. Sicher nicht zuletzt wegen des Eintopfessens. Das Jahr 1988 war das des Jubiläumsfestes. An dieser Stelle wollen wir auf einige Einsätze in 1988 eingehen, die zeigen, dass auf die Feuerwehr verstärkt Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen zukommen, die auch eine starke psychische Belastung für die Einsatzkräfte mit sich bringen. Zweimal musste ausgelaufenes Benzin und dreimal ausgelaufenes Öl beseitigt werden. Das ist kein Problem für die Einsatzkräfte. Anders war das z.B. im Juni, wo es zu zwei schweren Verkehrsunfällen auf der B45 kam. Beim ersten Unfall waren zwei Tote und mehrere Verletzte zu beklagen. Ein weiterer Unfall mit einem Toten und mehreren Verletzten folgte kurz danach. Mit solchen Situation umzugehen, ist wahrlich nicht einfach. Die Bilder, die die eingesetzten Wehrleute zu sehen bekamen, verfolgten sie noch Wochen lang.
Zum Ende des Jahrzehnts, in 1989, hatte Bruchköbel wieder einmal mit Hochwasser zu kämpfen. Im Juli ging ein starker Regen über Bruchköbel nieder. Ca. 100 Keller standen unter Wasser und mussten ausgepumpt bzw. ausgesaugt werden. Auspumpen bedeutet, dass das eingedrungene Wasser bis zu einer Höhe von etwa 2 cm aus den Kellern befördert werden kann. Der Rest des Wassers muss mit einem speziellen Wassersauger, ähnlich einem Staubsauger entfernt werden. Bei diesen Einsätzen waren 80 Personen ca. 500 Stunden tätig. Auch die Nachbarwehren unterstützten uns bei der Wasserbeseitigung kräftig.

1990er Jahre

Das Jahr 1990 begann im Februar mit Einsätzen, bei denen die Schäden eines starken Sturmes beseitigt werden mussten. Durch die Situation bedingt, kann man auch von teilweise „verhinderten“ Einsätzen sprechen; denn die Einsatzkräfte die bis in das Gerätehaus gekommen waren, konnten die ersten Minuten nach der Alarmierung nicht aus dem Gerätehaus ausrücken, weil immer noch Ziegel von den Dächern stürzten. Manche Einsatzkräfte konnten wegen des Orkans das Gerätehaus erst gar nicht anfahren. Letztendlich konnte die Gefahrensituation aber beseitigt werden. Allerdings waren Aufräumarbeiten sowohl in der Nacht als auch in den nächsten Tagen zu leisten.

Am 22. Mai 1990 wurde unser langjähriger Stadtbrandinspektor Ludwig Schlag mit einem Festakt im Bürgerhaus Bruchköbel verabschiedet. Leider ist Ludwig Schlag, der 32 Jahre stellvertretender Ortsbrandmeister / Wehrführer und 10 Jahre Stadtbrandinspektor war, kurz danach, am 29. Juli 1990 verstorben. Er wurde am 01. August 1990 unter großer Beteiligung der Feuerwehren zu Grabe getragen. Leider konnte er so auch den ersten Spatenstich für das neue Gerätehaus, das er noch mit geplant hatte, nicht mehr erleben.

In diesem Jahr veranstalteten wir zum letzten Mal unseren Tag der offenen Tür im und am alten Gerätehaus in der Hauptstraße und freuten uns dabei auf die besseren Platzbedingungen, die wir für den Tag der offenen Tür im nächsten Jahr haben würden. Das Thema „Gerätehaus“ wurde für die Feuerwehr immer spannender. Der Neubau nahm Formen an und am 15.03.1991 konnte das Richtfest gefeiert werden. Eingeweiht wurde das „Neue Heim“ dann nach 18 Monaten Bauzeit am Freitag, den 13. Dezember 1991.

Im Zuge des Abschiedes vom „Alten Gerätehaus“ in der Hauptstraße, ging auch die Ära der Familie Erika und Gerhard Lissmann als Hausmeister zu Ende. Beide waren bisher „der gute Geist“ des Gerätehauses. Sie haben es als „ihr Haus“ angesehen und mit viel Fleiß dafür gesorgt, dass man sich dort stets wohlfühlen konnte.

Am 22.01.1992 konnten wir dann zum ersten Mal unsere Jahreshauptversammlung im neuen Gerätehaus abhalten. Im Februar holten wir unser neues Tanklöschfahrzeug TLF 16/24 Tr bei der Firma Ziegler ab. Feierlich übergeben wurde uns das Fahrzeug dann am 17.05.1992 beim Tag der offenen Tür.

In 1992 fand erneut ein Bürgerfest mit den Feuerwehren Bruchköbel, Butterstadt, Niederissigheim, Roßdorf und der Kapelle statt. Leider mussten wir auch hier feststellen, dass die Veranstaltung immer weniger Zuspruch durch die Bevölkerung fand. Offenbar war die Zeit der „großen Volksfeste“ vorbei.

Hochwasser war auch in diesem Jahr wieder ein Thema. Am 20. August standen nach einem unwetterartigen Regen ca. 70 Keller unter Wasser. Wie bei jedem Hochwassereinsatz ist es nicht nur die Feuerwehr, die betroffen ist, sondern es sind insbesondere die Bewohner der Häuser in denen das Wasser stand. Die Wände werden nass und müssen getrocknet werden und auch das Inventar, das in den Kellerräumen steht, ist oft beschädigt oder es ist ganz und gar unbrauchbar geworden. Oft ist es nicht nur Wasser, das in die Keller eindringt. Es gibt viele Fälle, in denen auch Erde mit eingeschwemmt wird, was besonders tragisch ist.

Einer großen physischen und psychischen Belastung waren die Einsatzkräfte dann erneut am 6. September 1992 ausgesetzt. Ein sehr schwerer Verkehrsunfall ereignete sich an diesem Tag an der Kreuzung Bahnhofstraße / Hauptstraße. Zwei Personen fanden den Tod und drei Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Es gab auch andere, weniger belastende Einsätze. Z.B. wurde die Wehr für eine Hilfeleistung angefordert, die ungewöhnlich war. Das Getreidesilo der Mühle (es stand in der Nähe des Krebsbachparks an der Jahnstraße, also mitten in Bruchköbel) sollte gesprengt werden und wir waren mit der Absicherung des Geländes beauftragt. Es ging zum Glück alles gut.

„Wasserförderung über lange Wegestrecken“ ist für Feuerwehren eine Herausforderung. Eine Brandbekämpfung im Bruchköbeler Wald macht es erforderlich, dass ca. 1.000 Meter von der Entnahmestelle des Wassers bis zum Einsatzort zu überwinden waren. 1.000 Meter Schlauch zu verlegen ist die eine Seite. Da das Wasser aber durch die Reibung an Druck verliert, würde ohne zwischengeschaltete Pumpen nur noch sehr wenig Wasser am Einsatzort ankommen. Die Pumpen müssen jedoch so aufeinander abgestimmt sein, dass die zweite usw. Pumpe nicht mehr Wasser transportieren will als sie selber bekommt. Das ist schon eine Herausforderung. Heute, in der Zeit der Tanklöschfahrzeuge ist solch ein Einsatz nur noch sehr schwer vorstellbar. Mit 1.600 Litern bzw. 2.400 Liter Wasser im Tank des Fahrzeuges kann man schon eine ganze Menge leisten.

Dass die alten Geräte der Wehr weiterhin „gute Dienste“ leisten, wurde deutlich, als wir beim Jubiläumsfest der Sportgemeinschaft mit unserer von Pferden gezogenen historischen Pumpe und unserem Anhänger mit einer alten Tragkraftspritze am Festzug teilgenommen haben. Diese Präsentation alter Löschgeräte war für manche Zuschauerinnen und Zuschauer sicher interessant. Natürlich hatten sich die Wehrmänner auch entsprechend gekleidet. Da passte alles zusammen und ergab ein schönes Gesamtbild.

Insbesondere in den 1990er Jahren hatten wir wiederum einige starke Regenfälle, die zu Überschwemmungen von Kellern führten. Im Juli 1994 z.B. ging ein wolkenbruchartiger Regen nieder, der im gesamten Stadtgebiet zu Einsätzen führte. Besonders betroffen waren die Anwohner der Lindenallee. Dort wurde fast von jedem Hausbesitzer „Keller voll“ gemeldet, was zwangsläufig dazu führte, dass es für einige Anwohner zu längeren Wartezeiten kam. Das war auch mit Anlass dafür, dass einige Anwohner unseren Einsatz sehr kritisch gesehen haben. Der Feuerwehr wurde gar in einem Leserbrief vorgeworfen, Fehler beim Einsatz gemacht zu haben. Wir haben daraufhin die Anwohner der Lindenalle zu einer Aussprache eingeladen Gemeinsam wurde darüber gesprochen, vor welchen Problemen die Anwohner gestanden haben, aber auch, vor welchen Probleme die Feuerwehr gestanden hat. Diese Initiative kam sehr positiv an, allerdings hatte niemand der Teilnehmer eine Lösung parat. Durch den Ausbau des Kanalsystems in den letzten Jahren, insbesondere in diesem Gebiet, hat sich die Situation deutlich verbessert.

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Am 10. Dezember 1994 verstarb der langjährige Vorsitzende und Ehrenvorsitzende unserer Feuerwehr Philipp Herwig im Alter von 79 Jahren. Er wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und von vielen Feuerwehrkameraden aus dem ganzen Kreis am 15.Dezember zur letzten Ruhe geleitet. Die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr, deren 2. Vorsitzender er auch lange Jahre war, begleiteten Philipp Herwig auf seinem letzten Weg. Philipp Herwig hat sich um das Feuerwehrwesen in Bruchköbel und darüber hinaus auf besondere Weise verdient gemacht.

Bei dieser Jahreshauptversammlung endete auch die Amtszeit unseres Schriftführers Armin Herwig der über ein viertel Jahrhundert die Ereignisse der Feuerwehr dokumentiert hatte. Unser Kamerad Klaus-Dieter Ermold wurde im Frühjahr 1996 neuer Bürgermeister der Stadt Bruchköbel.

Dass die Feuerwehr auch feiern kann, ist hinlänglich bekannt. Bei einem gemeinsamen Kappenabend mit der Kapelle im Februar wurde im Gerätehaus bei Helau und in guter Stimmung auch das Tanzbein geschwungen. Auch sportlich engagierte sich die Feuerwehr. Bei der Teilnahme an der „Bauernhofolympiade“ der „Keweler Elfen“ stellten die Teilnehmer ihre Kondition unter Beweis. Einige Kleinbrände und ein Verkehrsunfall, leider wieder einmal mit einer getöteten Person, waren im ersten Halbjahr 1995 zu bewältigen. Mit mehreren kleineren Bränden ging es im Oktober weiter. Bei einem größeren Brand wurde das Anglerheim in Oberissigheim (Oberissigheim Richtung Rüdigheim) ein Raub der Flammen. Der Fahrzeugpark der Feuerwehr wurde in diesem Jahr um einen sogenannten „Gerätewagen Nachschub GW-N“ erweitert.

Im Dezember gab es neben zwei Scheunenbränden in Oberissigheim auch ausgerechnet während unserer Weihnachtsfeier gegen Mitternacht einen Wohnhausbrand in der Friedberger Landstraße. Bei diesem Einsatz gingen zwei Kameraden aus Bruchköbel und Roßdorf ungewollt in dem dortigen Swimmingpool baden. Das war aber nicht etwa dem Alkohol geschuldet, sondern dem Schnee, der die zugefrorene Wasserfläche des Pools bedeckte.

Was 1971 das Ergebnis einer großen Werbeaktion und dem Beitritt von etwa 200 neuen Mitgliedern war, führte bei der Jahreshauptversammlung im Januar 1996 zu einer besonderen Situation. Die 1971 eingetretenen Mitglieder wurden 1996 für 25 jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr geehrt. Eine so große Zahl von Ehrungen gab es in der bis dato 108-jährigen Geschichte der Wehr noch nicht. Ein erfreuliches Ereignis.

Die Einsatzkleidung der Feuerwehren hat sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder geändert. Zunehmend stärker wurde damit auch dazu beigetragen, die Einsatzkräfte zu schützen. Der sogenannte „Metzgerkittel“ aus den 1950er und 1960er Jahren oder der dann üblichen „Kombi“ waren längst durch neue Kleidung abgelöst worden. In diesem Jahr gab es eine weitere große Änderung in der Einsatzkleidung der Feuerwehren. Die ersten, sogenannten Nomex- Anzüge bestehend aus Jacken, Hosen und Handschuhen wurden gekauft. Die neue Einsatzkleidung bot für die im Brandfall eingesetzten Personen einen besseren Schutz. Der Kauf wurde mit ca. 8.000 DM aus der Vereinskasse der Feuerwehr finanziert und somit von allen Mitgliedern unterstützt.

1995, also vor genau zwanzig Jahren, wurde die Jugendfeuerwehr gegründet. Dieser Anlass wurde im Dezember in einer gemeinsamen Weihnachtsfeier der Jugendfeuerwehr mit der Einsatz-, der Ehren- und Altersabteilung gefeiert.

1997 war das Jahr in dem die Festgemeinschaft der Feuerwehren und der Kapelle zum letzten Mal ein Bürgerfest ausrichteten. Wegen der Erfahrungen, dass es immer weniger Zuspruch der Bürgerinnen und Bürger für solche Veranstaltungen gab, wurde das Fest auch nur noch an drei Tagen veranstaltet. Es war andererseits auch immer schwieriger, das ganze Personal zur Durchführung eines solchen Festes zu aktivieren. Das Verhältnis von Aufwand zu Ertrag war bei diesem Fest noch schlechter als bei den vergangenen Bürgerfesten der Feuerwehren und der Kapelle. Im Fazit war einfach zu akzeptieren, dass diese Art Veranstaltung nicht mehr zeitgemäß war.

Anders sah und sieht es mit dem Tag der offenen Tür aus, den die Bruchköbeler Bürger immer stärker besuchen. 1997 wurde uns ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 16, das dem neuesten Stand der Technik entsprach, übergeben. Das alte Löschgruppenfahrzeug LF 16 aus dem Jahre1972 wurde an den Main-Kinzig-Kreis übergeben. Gemeinsam mit anderen Fahrzeugen wurde unser Fahrzeug nach Kutina in Kroatien überführt. Anlässlich des Tages der offenen Tür wurde den Gründungsmitgliedern und den Jugendfeuerwehrwarten der Jugendfeuerwehr eine besondere Ehrung zuteil. Sie wurden für ihre Verdienste um den Nachwuchs der Feuerwehr mit der Floriansmedaille der Deutschen Jugendfeuerwehr ausgezeichnet.

Das Jahr 1998 begann erfreulicherweise unspektakulär. Eine Hecke brannte, mehrere Mülltonnen sowie ein Auto mussten gelöscht werden, eine Vielzahl von Brandsicherheitsdiensten wurde geleistet und es gab einige Verkehrsunfälle. Dabei kamen glücklicherweise keine Menschen zu Schaden. An sich keine großen Sachen. Belastend ist für die Einsatzkräfte aber, wenn solche Einsätze während der Nacht anstehen (der Heckenbrand wurde beispielsweise um 0:15 Uhr gemeldet). Am nächsten Tag steht die normale Arbeit wieder auf dem Plan. Eine mitunter nervige Situation.

Der 110. Geburtstag der Feuerwehr ist zwar kein Jubiläum, dennoch beschloss der Vorstand, ein Feuerwehrbanner zu beschaffen. Feuerwehrbanner mit dem Schutzheiligen der Feuerwehren, dem St. Florian, sind in anderen Wehren schon lange vorhanden und werden zu feierlichen Anlässen öffentlich getragen. Die Feuerwehr Bruchköbel besaß ja, wie in der Chronik berichtet, ein Banner, das bei dem 40 jährigen Gründungsfest in 1928 geweiht wurde. Leider hat dieses Banner die Kriegsjahre nicht überlebt. Die Übergabe des neuen Banners stand dann beim Tag der offenen Tür verbunden mit der Feier unseres 110. Geburtstages auf der Agenda. In einem Ökumenischen Gottesdienst mit den Pfarrern Götz und Spriesterbach wurde das Banner geweiht. Die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr übernahm die Patenschaft für unser Banner, worüber wir uns sehr freuten. Wenn Sie liebe Leserinnen und Leser das Banner bisher noch nicht oder noch nicht im Original gesehen haben, können Sie das ganz sicher während der Festtage nachholen.

Der wohl ungewöhnlichste Einsatz, zu dem die Feuerwehr in diesem Jahr gerufen wurde, war die Bergung eines toten Pferdes, das im Bruchköbeler Wald verendet war. Helfen konnten wir da letztendlich nicht, aber wir wurden alarmiert und waren vor Ort. Zur Verbesserung der Ausrüstung der Einsatzkräfte wurden auch 1998 wieder Mittel aus der Vereinskasse bereitgestellt. Neue Schutzhelme standen auf dem „Einkaufszettel“. Anschaffungen aus eigenen Mitteln, über die wir in der Chronik schon mehrfach berichten konnten, sind nur dadurch möglich, dass die Feuerwehr dankenswerter Weise viele fördernde Mitglieder hat. Bezogen auf die gesamte Mitgliederzahl sind das etwa 80 %.

Im Jahre 1999 gab es wiederum einen besonderen Einsatz. Wir wurden zur Amtshilfe für die Polizei gerufen. Auslöser war ein verdächtiger Sack, der in der Nähe des Bärensees gefunden worden war. In dem Sack wurde zunächst eine Leiche vermutet. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass es sich bei dem Inhalt um einen alten Teppich handelte. Der Meldung einer unklaren Rauchentwicklung im Bruchköbeler Kanalnetz war Anlass für einen weiteren „besonderen Einsatz“. Letztlich wurde festgestellt, dass der Rauch aus einem früheren Bunker unter dem Bahndamm am Dammweg kam, von dort ins Kanalnetz zog und irgendwo austrat. Ursache dafür war, dass in dem Bunker jemand seine Reklamezeitungen, die er offenbar nicht austragen wollte, verbrannte. Der Wechsel ins neue Jahrtausend stand an. Alle Befürchtungen, dass der Jahreswechsel mit nicht vorhersehbaren Folgen verbunden sein würde, haben sich zum Glück nicht bewahrheitet. Es verlief alles sehr ruhig. Allerdings war die Feuerwehr gut vorbereitet. 15 Kameradinnen und Kameraden waren die ganze Nacht im Gerätehaus in Bereitschaft, um bei Bedarf schnell Hilfe leisten zu können.

2000er Jahre

Im Jahre 2000 ging eine „Familienära“ in unserer Feuerwehr zu Ende. Nachdem Philipp Herwig 1948 das Amt des Ortsbrandmeisters / Wehrführers und Vorsitzenden übernommen hatte, folgte nach 32 Dienstjahren im Jahre 1980 sein Sohn Hans –Jürgen Herwig als Nachfolger im Amt des Wehrführers und Vorsitzenden. Nach genau 20 Jahren, in denen sich Hans-Jürgen Herwig um die Feuerwehr verdient gemacht hat, stand er für eine weitere Wahlperiode nicht mehr zur Verfügung. Er wurde in der Jahreshauptversammlung unter großem Beifall der Teilnehmer aus seinem Amt verabschiedet. Für seine Verdienste um die Feuerwehr und das Gemeinwohl wurde Hans-Jürgen Herwig mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet.

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Da schon längere Zeit bekannt war, dass Hans-Jürgen Herwig nicht mehr zur Wiederwahl zur Verfügung stehen würde, konnte sich der Verein bereits im Vorfeld Gedanken über einen Nachfolger machen. Der Feuerwehrkamerad Uwe Koch wurde vom Vorstand vorgeschlagen und auch als Vorsitzender und Wehrführer gewählt. Die Amtszeit von Kamerad Uwe Koch war im Vergleich zu seinen Vorgängern allerdings sehr kurz; denn bereits im Jahre 2001 trat er von seinem Amt zurück. Mit dem Kameraden Frank Neudenberger wurde ein neuer Wehrführer und Vorsitzender gefunden. Das Jahr 2001 war aber auch ein Jahr des Jubiläums. Unsere Jugendfeuerwehr wurde 25 Jahre alt.

Die Bambinogruppe wird ins Leben gerufen

Wie wir festgestellt haben, interessierten sich auch Kinder, die das Mindestalter für die Jugendfeuerwehr – das sind 10 Jahre – noch nicht erreicht hatten, auch schon für die Feuerwehr. Da man nicht früh genug anfangen kann, den Feuerwehrnachwuchs zu sichern, wurde in 2002 die Bambinogruppe (im allgemeinen auch „Kinderfeuerwehr“ genannt) gegründet und in der Vereinssatzung entsprechend verankert. In der Bambinogruppe unserer Feuerwehr werden Kinder von 5 bis 10 Jahren spielerisch an die Feuerwehr und deren Aufgaben herangeführt. Die Bruchköbeler Bambinogruppe war eine der Ersten im Main-Kinzig Kreis. Sie wurde ein durchschlagender Erfolg. Bereits im August des Jahres 2002 waren 67 Kinder angemeldet und es mussten Wartelisten für freie Plätze eingerichtet werden. Erster Leiter dieser Gruppe wurde Nico Percz, als Stellvertreter unterstützte ihn Benjamin Thoran.

Die Feuerwehr startet ins Internet

Das Internet wurde für die Feuerwehr ebenfalls im Jahre 2003 ein Thema. Die erste Homepage wurde aufgebaut und im Januar 2004 vom Vorsitzenden Michael März, dem damaligen Bürgermeister H. Michael Roth und „Webmaster“ Benjamin Thoran freigeschaltet. Was sich bis heute daraus entwickelt hat, lohnt sich anzusehen. Aktuell, informativ und anschaulich wird dort über die Arbeit der Feuerwehr berichtet. Dort können Sie verfolgen, was bei der Bambinogruppe gerade an Aktivitäten ansteht, wie es um die Jugendfeuerwehr bestellt ist und zu welchen Einsätzen die Einsatzabteilung gerufen wurde. Schauen Sie unter www.feuerwehr-bruchkoebel.de oder einfach unter www.ff-brk.de und Sie werden begeistert sein.

Mit der Beschaffung eines neuen Löschfahrzeuges vom Typ LF 8/6 und einem Mannschaftstransportfahrzeuges wurde der Fahrzeugpark der Feuerwehr weiter modernisiert und ausgebaut. Leider gab es auch im Jahr 2003 einen folgenschweren Einsatz. Ein Wohnhausbrand in der Hauptstraße gegenüber der Sparkasse machte eine 9-köpfige Familie obdachlos. Glücklicherweise gab es „nur“ Sachschäden. Auswirkungen auf angrenzende Häuser konnten ebenfalls vermieden werden. Für die betroffene Familie war das allerdings ein Drama. Bedauerlicherweise kam es bei einem Zimmerbrand im Jahre 2004 nicht nur zu Sachschaden. Eine Person kam durch eine Rauchgasvergiftung ums Leben.

Unser langjähriger Wehrführer und 1. Vorsitzender Hans-Jürgen Herwig wurde während der Jahreshauptversammlung 2004 für seine Verdienste um die Feuerwehr zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Diesen Titel trug sein Vater Philipp Herwig ebenfalls. Auf einem neuen Weg versuchte die Feuerwehr im Jahre 2005 neue Mitglieder zu gewinnen. Anlässlich des Tages der offenen Tür wurden Flyer mit „Stellenanzeigen“ an alle Bruchköbeler Haushalte verteilt. In den „Stellenanzeigen“ wurde beschrieben, welche Möglichkeiten es gibt, etwas zum Brandschutz unserer Stadt beizutragen. Mitglied der Einsatzabteilung zu werden ist eine Möglichkeit, förderndes Mitglied zu werden, eine andere. Leider war das Ergebnis äußerst ernüchternd. Anders als bei der großen Werbeaktion Anfang der 1970er Jahre, bei der über 200 neue Mitglieder gewonnen werden konnten, waren es dieses Mal ganze 12 neue Mitglieder. Das gibt doch zu denken. Mit zwei Aktivitäten unter dem Motto „Unser Haus soll schöner werden“ erhielt das Feuerwehrgerätehaus einen neuen Außenanstrich. Der größte Teil dieser Arbeiten wurden von den Feuerwehrleuten in Eigenarbeit erledigt.

Die Jugendfeuerwehr auf dem Weihnachtsmarkt

Auch für den Außenauftritt auf dem Bruchköbeler Weihnachtsmarkt wurde etwas getan. Unter der Leitung von Holger Siegl entstand eine neue Hütte für die Herstellung und den Verkauf von allerhand Leckereien. Ein Besuch dort lohnt sich allemal.

Für viele Besucherinnen und Besucher des Weihnachtsmarktes ist die Präsenz der Jugendfeuerwehr heute fester Bestandteil. Aber wie fing das Ganze an? Unser Kamerad Wilfried Braun half seiner Tante während des Münchener Oktoberfestes regelmäßig, Nüsse zu braten und zu verkaufen. Eines Tages wurde die Frage gestellt, ob das nicht auch für den Bruchköbeler Weihnachtsmarkt eine Idee wäre. Gesagt, getan. In den ersten Jahren wurden sowohl die Nüsse als auch die Brattrommel von München nach Bruchköbel geholt und während des Weihnachtsmarktes eingesetzt. Der Zuspruch war so groß, dass kurze Zeit später eigenes Gerät gekauft werden konnte. Das Angebot wurde immer mehr ausgeweitet und heute ist der Stand der Jugendfeuerwehr fester Bestandteil des Weihnachtsmarktes geworden.

In unserer Heimat ist „Handkäse mit oder ohne Musik“ und dazu ein Apfelwein ein bekanntes Gericht. Die Feuerwehr hat das im Jahre 2006 erstmals aufgegriffen und zu einem Handkäseessen mit selbstgemachtem Apfelwein ins Gerätehaus eingeladen. Diese Idee war gut; denn die Beteiligung nicht nur der Feuerwehrleute war groß und wurde in den folgenden Jahren immer größer. Es ist davon auszugehen, dass dieses Handkäseessen mittlerweile fester Bestandteil des Jahresprogrammes der Feuerwehr ist. Erwähnt sei noch, dass es für Gäste, die keinen Käse essen auch hausgemachte Wurst gibt.

Über die Ausbildung der Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner wird ausführlich berichtet. Da dazu auch die „richtige“ Ausstattung gehört, kaufte die Feuerwehr im Jahre 2007 einen PC und eine Leinwand, auf der die Themen der Unterrichte bildlich und textlich unterstützend dargestellt werden können. Stellen Sie sich einmal vor, die Feuerwehr kommt bei einem Notfall an den Einsatzort und steht vor verschlossenen Türen. Die Tür zu zerstören wäre einfach, ist aber nicht die beste, da die teuerste Lösung. Auf einen Schlüsseldienst zu warten, wäre zu zeitraubend. Was also tun? Die Entscheidung, 10 Einsatzkräfte zu einem sogenannten „Türöffnungsseminar“ zu schicken, wurde getroffen. Auf Basis dieser Ausbildung war klar, welche für die Praxis notwendigen Werkzeuge gekauft bzw. selber hergestellt werden mussten. Besondere Sicherheitsvorkehrungen wurden für die Ausrüstung getroffen. Die Feuerwehr ist nun in der Lage, solche Situationen selbstständig und ohne großen Schaden für die Wohnungsinhaber zu lösen. Wie man an diesem Beispiel sehen kann, werden die Erwartungen an die Feuerwehr immer vielfältiger.

Der alljährliche Tag der offenen Tür im Gerätehaus erfreute sich in all den Jahren eines großen Zuspruches. Warum also den Besuchern nicht noch mehr bieten war die Frage. Der Samstagabend bot sich quasi von selber an und rückblickend kann man feststellen, dass das eine sehr gute Entscheidung war, schon einen Tag früher zu beginnen. Das Feuerwehrgerätehaus hat sich am Samstagabend auch als Tanzfläche unter dem Motto „Tanz im Spritzenhaus“ bewährt.

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Beginnend in 2008 wurde das Jahr 2013, an dem die Freiwillige Feuerwehr ihr 125-jähriges Jubiläum feiern würde ins Visier genommen. Erste Ideen wurden gesammelt, z.B. wo kann man ein solches Jubiläum feiern, welcher Rahmen ist angemessen und wirtschaftlich vertretbar. Wir alle werden ja in den nächsten Wochen erleben, was aus diesen ersten und den vielen anderen Ideen im Laufe der Zeit letztlich geworden ist.

Für Veranstaltungen und Besuch der Jugendfeuerwehr z.B. bei der Berufsfeuerwehr in Frankfurt, hat sich das äußere Erscheinungsbild auch ohne Uniform dadurch verbessert, dass die Jugendfeuerwehr mit einheitlichen Polo-Shirts ausgestattet werden konnte. Unterstützt wurde die Beschaffung durch Bruchköbeler Geschäftsleute. Auch an die Einsatzabteilung und die notwendige Ertüchtigung wurde gedacht; denn Sport stand auch regelmäßig auf dem Dienstplan. Die Einsatzkräfte wurden mit Trainingsanzügen ausgestattet, wobei ein Teil der Kosten von den Einsatzkräften übernommen wurde.

Nachdem das Gerätehaus einen neuen Anstrich erhalten hatte, bot sich die Möglichkeit, aus Armeebeständen eine große Grillhütte zu bekommen. Damit konnten die Außenanlagen des Gerätehauses verschönert werden und es war Platz z.B. für Ausstellungen beim Tag der offenen Tür. Der Abbau und die Einlagerung der Hütte war der erste Schritt. Bis zur Fertigstellung sollten danach mehr als 1.000 Arbeitsstunden anfallen, die die Feuerwehrleute in ihrer Freizeit leisteten.

Bei einem Gebäudebrand am 04.08.2009 werden die oberen Stockwerke und das Dach des Gebäudes der Rosenapotheke total niedergebrannt. Unterstützt wurde der Einsatz der Bruchköbeler Wehr durch die Wehren aus allen Stadtteilen. Auch überörtliche Einsatzkräfte und vor allem die Wehren mit Leiterfahrzeugen, wurden zur Unterstützung angefordert und eingesetzt. Beteiligt waren Wehrleute und Fahrzeuge aus Erlensee, Nidderau, Freigericht, Maintal, und Hanau. Der Einsatz konnte erst nach rund 20 Stunden beendet werden. Während des Einsatzes wurde bedauerlicherweise ein Feuerwehrkamerad aus Bruchköbel verletzt. Es kam beim teilweisen Einsturz des Daches zu einer sogenannten „Durchzündung“ und damit blitzschnell zu hohen Temperaturen. Denen war der Kamerad ausgesetzt bevor er über den Balkon des Gebäudes gerettet werden und mit Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert werden konnte. Während die Schutzkleidung des Kameraden Schlimmeres verhinderte, kam sein Trupppartner unbeschadet davon.

Zwei weitere Großbrände hielten uns im Oktober in Atem. In Roßdorf brennt eine Feldscheune bis auf die Grundmauern nieder und in Niederissigheim brannten ein Carport und ein Wohnhaus. Auch bei diesem Einsatz waren 70 Feuerwehrleute im Einsatz. Erfreulich war für uns, dass in 2009 der Bewilligungsbescheid des Landes Hessen für den Kauf eines neuen Einsatzleitwagens (ELW) erteilt wurde. Verbunden mit dem Bescheid war die Nachricht, dass das Fahrzeug erst in 2012 ausgeliefert werden kann.

Wie in vielen Bereichen unserer Gesellschaft nimmt die Verwaltungsarbeit mehr und mehr zu. Das gilt auch für die Feuerwehren. Neben der eigentlichen Übungs- und Einsatzzeit ist immer mehr Zeit für eigene Dokumentationszwecke, insbesondere aber für Berichte an übergeordnete Stellen notwendig. Das alles fällt in den Aufgabenbereich des Wehrführers. Da nach unserer zu der Zeit noch bestehenden Satzung der Wehrführer auch gleichzeitig 1. Vorsitzender war, kam die Führung des Vereines noch hinzu. Das war, obwohl durch den Stellvertreter bzw. den 2. Vorsitzenden unterstützt, auf die Dauer nicht mehr zu leisten. Die Lösung, die andere Feuerwehren schon lange praktizieren bot sich zur Lösung dieses Problems an. Seit vielen Jahren sind in andern Städten und Gemeinden die Aufgaben der Wehrführung und der Vereinsführung getrennt. Was also bisher zwei Köpfe erledigen mussten, kann damit auf vier Köpfe verteilt werden. Dadurch kann jede Funktion ihre Aufgabenstellung mit der ihr zustehenden Aufmerksamkeit angehen. Man entschied sich, diesen Weg zu gehen. Allerdings war für die Umsetzung eine umfangreiche Satzungsänderung notwendig. Im Ziel sollen die Ämter von Wehrführung und Vorsitzendem des Vereins getrennt werden, ohne dass die bisherige Gemeinsamkeit aufgegeben wird. Das ist ein hoher Anspruch. Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass auch beim 150-jährigen Jubiläum diese Gemeinsamkeit noch zu finden ist.

In der Jahreshauptversammlung 2010 wird die vorgestellte Satzungsänderung beschlossen. Michael März, der bisher Wehrführer und 1. Vorsitzender in Personalunion war, steht nach der beschlossenen Satzungsänderung weiterhin für das Amt als 1.Vorsitzender zur Verfügung und wird in diesem Amt auch bestätigt. Neuer Wehrführer wird Richard Wiench der von der Einsatzabteilung gewählt wurde.

Doch zurück zu den Einsätzen der Wehr. „Xynthia“, der Name dieses verheerenden Sturmtiefes ist vielen von Ihnen sicher noch präsent. Das Tief wütete im Februar 2010 so heftig, dass die Einsatzkräfte innerhalb eines Tages 21 Mal zu Einsätzen gerufen wurden. Glücklicherweise waren dabei keine Personenschäden zu verzeichnen. Ein weiteres Unwetter im Juni, war weniger dramatisch, zog aber erneut mehrere Einsätze der Feuerwehr nach sich. Ein Blitzeinschlag führte dabei zu einem Dachstuhlbrand.

„Böswilliger Alarm“, das kannte die Feuerwehr aus der Zeit, als noch öffentliche Feuermelder innerhalb der Stadt aufgestellt waren zur Genüge. In 2010 war es mal wieder soweit. Der Leitstelle wurde ein Brand in einem Mehrfamilienhaus gemeldet. Hinzu kam, dass der Anrufer berichtete, dass zwei Kinder vom Feuer eingeschlossen seien. Als die Einsatzkräfte am angegebenen Ort eintrafen, waren die Anwohner völlig überrascht; denn es gab weder ein Feuer noch eingeschlossene Kinder. Die Meldung stellte sich als „Ente“ heraus.

Nachdem mehr als 1.000 Arbeitsstunden abgeleistet waren, konnte die ehemalige Grillhütte aus Armeebeständen am Löschteich aufgebaut werden. Sie ist für vielfältige Nutzungen vorgesehen. U.a. dient sie auch als Ausstellungspavillon beim Tag der offenen Tür. Nach der Jugendfeuerwehr waren in diesem Jahr die Einsatzkräfte und die Helfer an der Reihe, mit einheitlichen Polo-Shirts ausgestattet zu werden. Auch das ergibt z.B. beim Tag der offenen Tür ein einheitliches Bild.

Mit der durch die Vereinskasse finanzierten Anschaffung eines sogenannten „Stab-Fast System“ können verunfallte Kraftfahrzeuge extrem schnell und sicher stabilisiert werden. Das ist sowohl für die Einsatzkräfte gut, die dann sicherer und schneller arbeiten können, es ist aber auch gut für die verunfallten Personen, die durch die Bergungsaktivitäten weniger belastet werden. Nach einem „langen Weg“ konnte die Feuerwehr in 2010 zum ersten Mal ein Gründungsmitglied der Bambinogruppe in die Einsatzabteilung übernehmen. Das ist ein toller Erfolg der Jugendarbeit in den letzten Jahrzehnten.

Im Jahre 2011 bot sich die sicher seltene Möglichkeit, von der Werksfeuerwehr der Firma Heraeus zu sehr günstigen Konditionen ein gebrauchtes Fahrzeug zu erwerben. Es wurde in Eigenhilfe zu einem „Gerätewagen Atemschutz und Unwetterschäden“ umgebaut, der auch bei kleineren Hilfseinsätzen als Einsatzfahrzeug ausreichend ausgestattet ist. Die Kosten des Umbaus wurden aus Mitteln des Vereins getragen. Um den Tag der offenen Tür noch attraktiver zu gestalten, wurde in 2011 ein neuer Programmpunkt aufgenommen. „LF-Pulling“ wurde als Wettbewerb am Samstagnachmittag angeboten. Beim „LF-Pulling“ geht es darum, dass eine Mannschaft aus sechs Personen ein 12 Tonnen schweres Löschfahrzeug aus dem Stand über eine Strecke von 30 Metern ziehen muss. Das war eine Riesengaudi, die sowohl den Zuschauern als auch den Teilnehmern sehr gut gefallen hat. Schnell war klar, dass dieser Wettbewerb auch im nächsten Jahr wieder auf der Agenda stehen wird.

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Es wurde notwendig, die mittlerweile veralteten Hydraulischen Rettungsgeräte auszutauschen. Der Austausch wurde von der Stadt finanziert. Ergänzend dazu beschaffte die Feuerwehr aus eigenen Mitteln zwei neue „Rettungszylinder“. Der „richtige“ Umgang mit den neuen Geräten musste erlernt werden. Die Feuerwehr wurde aktiv und hat mit Unterstützung durch die Firma Weber Hydraulik ein eigenes Seminar „Technische Hilfeleistung“ veranstaltet. Daran nahmen dankenswerter Weise auch Einsatzkräfte des DRK Teil; denn die Bergung verletzter Personen muss ja „Hand in Hand“ gehen. Durch dieses Seminar konnte sich ein großer Kreis von Einsatzkräften mit den neuen Geräten vertraut machen.

Zum Jahresende 2011 stand die Feuerwehr wieder einmal ohne Wehrführer da. Richard Wiench trat zum Jahresende wegen seines Umzuges in eine andere Gemeinde von seinem Posten als Wehrführer zurück. Die Suche nach einem neuen Wehrführer sollte nicht unter zu großem Zeitdruck durchgeführt werden. Der Stellvertreter von Richard Wiench, der Kamerad Thomas Richter übernahm daher zunächst kommissarisch die Führung der Wehr. Am 18.06.2012 konnte dann mit der Wahl von René Ermold zum neuen Wehrführer diese Interimszeit beendet werden. Es ist der Feuerwehr zu wünschen, dass nach den Wechseln in der Führung der Wehr, die es in den letzten 12 Jahren gegeben hat, sich jetzt mehr Kontinuität und Stabilität einstellt.

Eine Serie von Bränden hielt die Feuerwehr im April 2012 in Atem. Mülltonnen brannten serienweise. Es gab Nächte, in denen die Wehr sogar mehrmals zu solchen Einsätzen gerufen wurde. Zufall konnte das eigentlich nicht sein. Nach langen Ermittlungen der Kripo konnte eine Jugendbande aus Erlensee und Bruchköbel viele Monate später ausfindig gemacht werden. Wie bereits 2009 angekündigt, war es beim Tag der offenen Tür 2012 soweit. Der 2009 bewilligte Kauf eines Einsatzleitwagens (ELW) war getätigt. Bürgermeister Günter Maibach konnte ihn seiner Bestimmung übergeben.

Kurz nach dem Tag der offenen Tür wurde die Feuerwehr am 22.08.2012 zu zwei schweren Verkehrsunfällen gerufen. Beide Unfälle ereigneten sich fast an der gleichen Stelle und machten jeweils den Einsatz eines Rettungshubschraubers erforderlich, der die Verletzten ins Krankenhaus befördern musste. Wiederum keine einfache Situation für die Einsatzkräfte. Ein ganzes Wohnhaus in Niederissigheim wurde durch einen Brand, der im Keller seinen Ursprung hatte, zerstört. Die Bauweise des Hauses wirkte dabei wie ein Kamin. Blitzschnell griff der Kellerbrand auf das gesamte Gebäude über und zerstörte es gänzlich. Dieser Brandverlauf führte zu einer enormen Hitzeentwicklung. Hinzu kamen hochsommerliche Außentemperaturen, was zu einer starken Belastung der Einsatzkräfte führte.

Das Jahr 2013, das Jahr des 125-jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr nimmt immer mehr Raum für die Planung und die Vorbereitung ein. Mehrere Ausschüsse und Arbeitsgruppen wurden gebildet und übernahmen Teilaufgaben, die dann als Ganzes dafür sorgen sollen, dass die Festveranstaltungen nicht nur für die Feuerwehr, sondern für aller Besucherinnen und Besucher zu einem schönen Ereignis wird und in guter Erinnerung bleiben soll. Vor diesem „großen“ Jubiläum in 2013 gab es in diesem Jahr ein „kleines“ Jubiläum zu feiern. Unsere Bambinogruppe feierte ihr 10-jähriges Bestehen mit einer „Bambinoolympiade“. Ein Ereignis, an das sich alle Beteiligten noch gerne erinnern werden.

Das 125-jährige Bestehen der Feuerwehr Bruchköbel wurde im Jahr 2013 groß gefeiert. Auf der akademischen Feier im Bürgerhaus wurde auch die Festschrift präsentiert und fand großen Zuspruch. Am 28. Juni begann dann das große Festwochenende mit einem Umzug vom Schwimmbad zum Feuerwehrhaus. Die Kapelle der Feuerwehr Bruchköbel führte den Zug an, zahllose Mitglieder und Angehörige liefen im Zug zum Feuerwehrhaus. Die ganze Strecke entlang standen Bürger der Stadt und folgten den Menschen zum großen „Hessischen Abend“. Dieser wurde von zahllosen Bruchköbeler Vereinen und Organisationen mit Tanzshows, Sketchen und Musikbeiträgen ausgeschmückt. Der Zuspruch war auch hier hervorragend. Am 29. Juni folgte dann die Jubiläumsausgabe des „LF-Pullings“ am Nachmittag. Am Abend brach das Konzert der Band „Helium 6“ dann alle Erwartungen der Planer. Zahllose Menschen strömten auf das Gelände des Feuerwehrhauses, so dass der Sicherheitsdienst zeitweise wegen Überfüllung den Eintritt einschränken musste. Das Fest hinterließ einen bleibenden Eindruck und viele Menschen sprachen sich für eine Wiederholung einer solchen Veranstaltung aus. Am letzten Tag des großen Jubiläumswochenendes, den 30. Juni, folgte dann der klassische Tag der offenen Tür, der wie immer gut besucht war.

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— Vorläufiges Ende der Chronik —